|
|
Studium

Historisches
Die
Anfallskrankheit von Martin Luther
Prof. Dr. H. Scherer |
|
Martin
Luther wurde am 6. Juli 1527 im Alter von 43 Jahren plötzlich befallen
von einem Brausen und Sausen seines linken Ohres. Es schloß sich ein
heftiges Schwindelgefühl mit Übelkeit und Erbrechen an. In der Annahme,
das letzte Stündchen sei gekommen, verabschiedete sich Luther von seiner
Familie. Innerhalb von ca. 20 Minuten verschwanden die Beschwerden aber
wieder vollständig, ein über Luther ausgekippter Eimer mit kaltem Wasser
und auch ein herbeigerufener Arzt hatten keinen therapeutischen Effekt
mehr.
Heute wissen wir, daß Luther an einer Menièr'schen Erkrankung des
Innenohrs litt, einer osmotischen Regulationsstörung der Innenohrlymphen.
Diese Krankheit tritt auch heute noch auf und belastet mit immer
wiederkehrenden Anfällen die Patienten. Während anfangs Ohrengeräusche,
ein Tieftonschwerhörigkeit und Drehschwindelattacken rasch wieder
verschwinden, kommt es im Verlauf der Erkrankung zu weiter zunehmenden,
bleibenden Schäden an der Hörfähigkeit. Heute kann die Erkrankung
medikamentös und operativ behandelt werden. Es gibt
aber auch sehr schwierige, kaum in den Griff bekommende Verläufe. Martin
Luther hatte in der Folgezeit noch zahlreiche schwere Anfälle. Er
bezeichnete sie als „Fußtritte des Satans“. Seinen schwersten Anfall
hatte er während einer Osterpredikt auf der Kanzel.
|
|
|
Auch v. Gogh hatte entsprechend seiner vielen Briefe und der darin
befindlichen genauen Beschreibung seiner Beschwerden, eine Menièr'sche
Erkrankung.
Prosper Menière (1799-1862) war der Leiter der Pariser
Taubstummenanstalt. Er gab als erster an, daß die seit langem bekannte
Kombination aus Ohrengeräuschen, Hörstörung und Erbrechen, auf eine
Ohrerkrankung zurückzuführen sei. Bis dahin hatte man geglaubt, daß
es sich um eine Krankheit aus dem Formenkreis der Epilepsie handelt. |
|
|
|

|
Hindenburgdamm
30
Webmaster
Stand:
5.09.2011
|
|