Endosonographie


Die Endosonographie ist ein relativ neues bildgebendes Untersuchungsverfahren, welches die wenig invasive Technik der Endoskopie mit der hochauflösenden Sonographie verbindet.

Mitte der siebziger Jahre erstmalig von Lutz und Rösch (1976) als A-Mode-Sonden im Gastrointestinaltrakt eingesetzt, entwickelte sie sich durch technische Modifizierungen von Di Magno et al. und Strohm et al. (1980) zum linearen B-Mode-Scan, mit dessen Hilfe es möglich war, sonomorphologisch auffällige Strukturen anatomisch zu lokalisieren und an Hand von Unterschieden in der Binnentextur von umliegenden Organen abzugrenzen.

Jedoch erwies sich der schmale Bildausschnitt dieser Linearscans als hinderlich bei der anatomischen Zuordnung von Läsionen. Dies führte zur Entwicklung des mechanischen Sektorscans, bei dem durch einen rotierenden Reflektor [Bild] an der Spitze eines Seitblick- oder Vorausblickendoskops ein Bildlauf von 360° ermöglicht wird und somit der Gastrointestinaltrakt im anatomischen Zusammenhang mit seinen umliegenden Organen darstellbar wird.

Aufgrund der hohen lokalen Auflösung ist es möglich, die Wand des Gastrointestinaltraktes in die Unterschichten Mucosa (Schleimhaut), Submucosa (Bindegewebe unter der Schleimhaut) und Muscularis (Muskulatur) aufzuteilen [Bild], womit lokal infiltrative Prozesse, z.B. maligne Tumore, in sehr frühen Stadien sichtbar gemacht werden können.

Endosonographisches Beispiel

Mittlerweile konnte anhand vieler Studien gezeigt werden, daß die Endosonographie zur Zeit das genaueste bildgebende Verfahren darstellt, um die Tiefeninfiltration (T-Stadium) und den lokalen Lymphknotenstatus (N-Stadium) maligner Tumoren des Gastrointestinaltraktes zu beurteilen.

Wir bieten die Endosonographie bei allgemeinen Fragestellungen wie z.B. präoperatives Tumorstadium von malignen Tumoren des Ösophagus (Speiseröhre) [Bild], Magen [Bild] und Pankreas (Bauchspeicheldrüse) [Bild] oder auch spezielleren wie z.B. Lokalisation endokrin-aktiver Tumore des Gastrointestinaltraktes (NET, VIPom, Karzinoid, ect.), Abklärung nicht näher zuzuordnender intramuraler Raumforderungen des oberen Gastrointestinaltraktes (z.B. Lipome, Leiomyome) [Bild] oder Fragen nach narbigen und / oder entzündlichen Veränderungen im Bereich der Gallenwege, Pankreas oder Papilla Vateri, an.

Neuere technische Entwicklungen erlauben den Einsatz der Endosonographie aufgrund Miniaturisierung der verwendeten Sonden auch im Bereich stenosierender Tumore (z.B. Ösophaguskarzinom) oder - bei Verwendung von Minisondensystemen - auch im Bereich von Pankreas- und Gallengang.

Eine weitere Neuerung stellt die endosonographisch gezielte Punktion solider Tumore im Gastrointestinaltrakt dar, die es ermöglicht, selbst außerhalb der kavitären (Hohl)-Organe des Gastrointestinaltraktes gelegene unklare Raumforderungen (z.B. Lymphknoten) sicher und gezielt transmural zu punktieren und weiteren feingeweblichen Untersuchungen zugänglich zu machen [Bild].

Für den Patienten ist die Durchführung einer Endosonographie mit einer Spiegelung des oberen Verdauungstraktes vergleichbar und dauert in der Regel nicht länger als 15 Minuten. Auf Wunsch des Patienten wird eine kurzdauernde Analgosedierung („Schlafspritze") verabreicht. Diese Untersuchungstechnik ist sowohl stationär als auch ambulant (nach telefonischer Terminabsprache) durchführbar.

Dr. Nicolas Hoepffner