Die Bedeutung des Sozialen Netzes. Soziales Netz und therapeutisches Milieu bei teil- bzw. vollstationäre Rehabilitation
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Welche Bedeutung
hat das Soziale Netz? Auf diesem Hintergrund befasst sich ein mehrjähriges Forschungsprojekt mit der Frage, welche Patienten warum in eine voll- bzw. teilstationäre Behandlung kommen, wie sie das unterschiedliche therapeutische Milieu erleben und wie sich dies auf das soziale Netz auswirkt. (1) Der Mehrdimensionale Kontaktkreis zur Messung der Struktur und
Funktion des sozialen Netzes In einer Vorstudie wurde ein Instrument entwickelt, das auf ökonomische Weise erlaubt, wichtige Parameter des sozialen Netzes zu erfassen. Es wird erhoben, in welchen Lebensbereichen (Haushalt, Familie, Freunde, Arbeit, Nachbarschaft, Freizeit) der Patient über soziale Kontaktpersonen verfügt und wie stark die soziale Unterstützung und Belastung in diesen Bereichen ist. Es liegt sowohl eine Fremd- als auch eine Selbstbeurteilungsversion vor. Das Messinstrument kann nicht nur in wissenschaftlichen Studien Verwendung finden, sondern auch in der klinischen Praxis. Es wird inzwischen routinemäßig in der Eingangsdiagnostik der Abteilung Verhaltenstherapie und Psychosomatik eingesetzt. Dem Grundprinzip der Social Network Mapping folgend wird in
einem ersten Schritt ermittelt, in welchen und wie vielen Lebensbereichen
(„Haushalt“, „Weitere Familie“, „Arbeit/ Bildung“, „Gute
Freunde“, „Freizeit“, „Nachbarschaft“ und „Andere“) der Proband über
Kontaktpersonen verfügt. In Anlehnung an die Theorien zur Rollenakkumulation
basiert das zugrunde liegende theoretische Konzept auf der Annahme, dass bei
einem intakten sozialen Netz möglichst in allen Lebensbereichen soziale
Kontakte vorhanden sein sollten. Es werden zwei Arten von Kontaktpersonen
getrennt erfasst, die „grundsätzlichen Bezugspersonen“ und die „alltäglichen
Bezugspersonen“. Die grundsätzlichen Bezugspersonen sind solche, die für den
Befragten von Bedeutung sind, obwohl er sie z.B. aufgrund geografischer Distanz
lange Zeit nicht getroffen haben mag, wie z.B. die eigenen Eltern. Die alltäglichen
Bezugspersonen sind alle Menschen zu denen man in der letzten Woche Kontakt
hatte. Kontakt haben heißt, dass man diese Personen entweder persönlich
gesprochen, mit ihnen telefoniert oder zumindest im Briefwechsel gestanden hat. In einem zweiten Schritt werden die erfassten Personen in Bezug auf
funktionale und belastende Beziehungsaspekte beurteilt. Es wird im MuSK zwischen
emotionaler und praktischer Unterstützung bzw. Belastung unterschieden wird.
Dies erlaubt eine differenzierte Beschreibung auch von ambivalenten Beziehungen
und vermeidet eine nicht sachgemäße Dichotomisierung in gut oder schlecht. (2) Therapieerleben und Erleben der psychologischen Aspekte des therapeutischen Settings durch Patienten und ihre Angehörigen Es wurde ein Instrument entwickelt, der
Therapieerlebens-Fragebogen (TeF), der erlaubt sowohl Patienten wie ihre Angehörigen
danach zu befragen wie sie die laufende Rehabilitationsbehandlung und
insbesondere die psychotherapeutische Schwerpunktbildung erleben. Erfasst werden
positive Erwartungen an die Therapie, positive Erfahrungen wie aber auch
Belastungserleben und Misstrauen gegenüber der Therapie. Der
„Therapieerleben-Fragebogen (TeF)“ kann sowohl vom Patienten als auch von
nahe stehenden Bezugspersonen (Lebens-/Ehepartner, Eltern, Kinder, Freunde etc.)
bearbeitet werden und gibt damit auch Aufschluss darüber, wie ähnlich oder
unterschiedlich Patient und Partner die Therapie subjektiv wahrnehmen und
erleben. In einer Vorstudie
fand sich, dass Patienten sich in signifikant höherem Ausmaß in die Therapie
einbezogen, über Behandlungsschritte und –ziele informiert fühlen und über
konkretere Vorstellungen bezüglich der Therapieziele und erwarteten Veränderungen
verfügen als die Angehörigen. Insgesamt wurde die Therapie jedoch
sowohl von Patienten als auch von Angehörigen positiv erlebt; Ängste, Befürchtungen
und Misstrauen sind in beiden Gruppen sehr gering. Im klinischen Bereich kann der Fragebogen dazu genutzt werden, die Wahrnehmung der Therapie durch Patient und/oder Angehörigen unter störungsspezifischen Gesichtspunkten zu untersuchen oder bei einer Behinderung des Therapieprozesses mögliche Schwierigkeiten und Schwachstellen zu identifizieren. (3) Erfassung des Wohnmilieus Bei der behandlungsförderlichen Gestaltung eines therapeutischen Milieus spielen neben interaktionalen Gesichtspunkten auch Aspekte des ökologischen Milieus eine wichtige Rolle. Um dieses operationalisieren und beurteilen zu können wurde der „Wohnmilieu-Fragebogen“ entwickelt. Gefragt wird nach der materiellen und baulichen Umwelt (z.B. Zustand und Komfort, Lebensbedingungen, Lage), nach der Erfüllung spezifischer Wohnbedürfnisse (Privatheitsregulation und Aneignung) und mit einem Item nach dem Konfliktpotenzial, das sich aus der Art der Zusammenführung von Menschen (crowding) ergibt. Es wurde Wert darauf gelegt, dass die Beurteilungen sowohl auf die eigene Wohnung als auch auf Klinikumwelten anwendbar sind. Als Skalierung der Items wurde eine 5-stufige Likert-Skala mit den Antwortmöglichkeiten (1) „stimmt nicht“ bis (5) „stimmt genau“ gewählt. Der Fragebogen ist in 5 bis 10 Minuten zu beantworten und bietet eine ökonomische Alternative zu einem Interviewverfahren. Um die metrischen Qualitäten des Ratingverfahrens zu untersuchen wurden 127 Patienten zweier psychosomatischer Rehabilitationskliniken mit dem Wohnmilieu-Fragebogen um ihre Beurteilung des häuslichen Wohnmilieus und des Klinikmilieus gebeten. Die Ergebnisse zeigen, dass sowohl das Wohn- als auch das Klinikmilieu insgesamt positiv beurteilt werden. Im Vergleich von Wohn- und Klinikmilieu ergeben sich einige signifikante Unterschiede (in der Klinik mehr Platz, weniger Lärm, besserer baulicher Zustand, mehr Ruhe und Konfliktfreiheit im Zusammenleben; zuhause größere Sauberkeit, bessere Verfügbarkeit von Hilfsmitteln, mehr Möglichkeit eigenen Interessen zu folgen). Der Fragebogen hat eine gute Retestreliabilität (Wohnmilieu r=.895, Klinikmilieu r=.854) und eine hohe interne Konsistenz (Cronbachs Alpha Wohnmilieu .82, Klinikmilieu .83), so dass der Summenscore sinnvoll zu interpretieren ist. Der Wohnmilieu-Fragebogen hat sich als ein reliables und ökonomisches Instrument erwiesen. Unterschiede in der Beurteilung des Wohn- und Klinikmilieus sprechen für die Sensitivität bezüglich unterschiedlicher Anwendungsbereiche. Zukünftig kann der Fragebogen zur Qualitätssicherung und Verbesserung therapeutischer Milieus genutzt werden. (4) Charakteristika von Patienten, die unter Routinebedingungen zur teil- bzw. vollstationären Rehabilitation zugewiesen werden. Ein Vergleich der teilstationären Patienten mit den vollstationären Patienten, die aus dem gleichen Einzugsgebiet, d.h. dem Berlin-Potsdamer Raum kommen, zeigt, dass die Negativselektion bezüglich sozialmedizinischer Parameter nicht nur mit einer differentiellen Zuweisung zusammenhängt, sondern primär regional bedingt ist, d.h. Patienten aus dem Raum Berlin stellen eine grundsätzlich schwierigere Patientengruppe dar. (5) Therapieergebnisse bei psychosomatischen Patienten unter den Bedingungen einer teil- bzw. vollstationären Rehabilitation Eine Frage von vordringlicher Wichtigkeit ist, ob sich unter teil- bzw.
vollstationärem Behandlungssetting vergleichbare Behandlungsergebnisse erzielen
lassen. Hierzu wurden Sowohl die teilstationären als auch die vollstationär-wohnortnahen und vollstationär-wohnortfernen Patienten verbessern sich im Laufe der Behandlung signifikant (GSI, jeweils p=.000; T-Test für abhängige Stichproben). Vergleicht man im
Ausgangsniveau gleiche Patientengruppen, dann ergeben sich unter beiden
Behandlungsformen ähnliche Symptomverbesserungen. Es finden sich nur
signifikante Unterschiede im GSI bei der Entlassung zwischen den teilstationären
und vollstationär-wohnortfernen Patienten (p=.000, T-Test für unabhängige
Stichproben) und den vollstationär-wohnortnahen und vollstationär-wohnortfernen
Patienten (p=.000), jedoch nicht zwischen teilstationär und vollstationär-wohnortnah. Bei der Frage, ob das soziale Netz einen Einfluss auf das Therapieergebnis unter teil- bzw. vollstationären Bedingungen hat, fand sich in einer Regressionsanalyse, dass der GSI bei Aufnahme (t = 5.57; p < 0.01) aber auch der Integrationsindex (t = 3.03; p < 0.01) hochsignifikant den Behandlungserfolg vorhersagen. Dies bedeutet, dass neben dem Ausmaß der Psychopathologie zu Beginn der Behandlung, die soziale Integration der Patienten entscheidend sind für den Behandlungserfolg i.S. einer Reduktion der Symptome ist Alle Patienten wurden etwa 6 Monate nach dem zweiten Erhebungszeitpunkt nachbefragt. Ähnlich wie zum Abschluss der Rehabilitation ergaben sich auch bei der Nachbefragung 6 Monate nach dem Aufenthalt keine signifikanten Unterschiede in der Einschätzung der parallelisierten teil- und vollstationären Patienten
Literatur:
GEISELMANN
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stationär-teilstationäre psychosomatische Rehabilitation im Vergleich.
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Erkenntnisse aus der Forschung, Umsetzung in die Praxis. In: BfA (Hrsg):
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M: Das therapeutische Milieu in der teilstationären Rehabilitation.
Erkenntnisse aus der Forschung, Umsetzung in die Praxis.In: BfA (Hrsg):
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M, LIND A, FUHRMANN B, IRLE H: Wohnortnahe Rehabilitation.
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