Qualitätssicherung und Kompetenzförderung in der Verhaltenstherapie in der psychosomatischen Rehabilitation
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Kompetenz
fördern, Kompetenz messen! In der psychosomatischen Rehabilitation ist Verhaltenstherapie ein wirksames und häufig eingesetztes Therapieverfahren. In der therapeutischen Praxis ist eine wichtige Frage die der Qualitätssicherung: Wie werden Therapeuten geschult, wie die Standards des Fachs in der täglichen Praxis umgesetzt und wie kann objektiviert werden, ob diese Standards angewandt werden? Ein Forschungsschwerpunkt der FPR befasst sich daher mit dem Thema Qualitätssicherung und Kompetenzförderung in der verhaltenstherapeutisch-psychosomatischen Rehabilitation. Ziel ist es, die Kompetenz von Psychotherapeuten zu operationalisieren, Gütekriterien festzulegen, Psychotherapiesitzungen objektiv zu erfassen und zu beurteilen und Therapeuten effektiv, aber auch ökonomisch zu schulen. Hierzu soll das vorliegende Projekt einen Beitrag leisten. Forschungsziele
1.1.
Psychotherapie setzt sich zusammen aus einzelnen Aktionen von Therapeuten.
Voraussetzung für jede Art der Qualitätssicherung in der Psychotherapie zu klären,
welche Kompetenzen ein Psychotherapeut benötigt. Auf dem Hintergrund
verschiedener Psychotherapiestudien (z.B. Berliner Studie zur Kognitiven
Verhaltenstherapie bei Generalisierten Angsterkrankungen, Linden et al 2005)
wurde ein „Mehr-Ebenen-Modell psychotherapeutischer Kompetenz entwickelt.
Darin wird unterschieden zwischen: -
Kompetenzen der Gestaltung der Therapeut-Patient-Beziehung -
Therapeutische Basiskompetenzen -
Störungsspezifische Kompetenzen -
Kompetenz zur Stundenstrukturierung -
Kompetenz zur Steuerung des Therapieprozesses -
Theoriekompetenzen -
Patient-Therapeut-Beziehung -
der Therapeut-Patient-Beziehung -
der Therapeut-Patient-Übereinstimmung -
der beobachteten therapeutischen Beziehung Diese
Beziehungsmaße korrelieren miteinander, wobei die beobachtete therapeutische
Beziehung die geringsten Zusammenhänge mit den anderen Maßen zeigt. Auch der
Zusammenhang mit dem Therapieergebnis ist unterschiedlich je nach Maß. 1.3.
Zur Beschreibung und Operationalisierung therapeutischer Basistechniken wird
unter Herausgeberschaft von Prof. Dr. M. Linden, Berlin, und Prof. Dr. M.
Hautzinger, Tübingen, sowie unter Mitwirkung vieler Fachkollegen und –kolleginnen
das „Verhaltenstherapie-Manual“ beim Springer-Verlag, Heidelberg,
herausgegeben. Darin finden sich Standardtechniken, die jeder erfahrene
Therapeut beherrschen sollte. Es wird verhaltensnah das Vorgehen beschrieben,
die Indikation, mögliche Probleme und Erfolgskriterien 1.4.
Da es bislang kein Instrument zur Erfassung des Therapieprozesses über die
Abfolge vieler therapeutischer Sitzungen gibt wurde die „Pivotal-Topic-Methode“
entwickelt. Damit lässt sich er Therapieprozess über längere Zeiträume
hinweg sowohl aus der Sicht des Patienten wie des Therapeuten beschreiben. Es
fand sich, dass es die vom Therapeuten als aktuell wichtig angesehenen
Therapiethemen mit zeitlicher Verzögerung dann auch vom Patienten als wichtig
benannt werden. Dies kann als Hinweis auf eine aktive Therapiesteuerung durch
den Behandler gewertet werden. (2)
Die Verhaltenstherapie-Kompetenz-Checkliste (VKTC) Es wurde ein Instrument entwickelt zur Beschreibung
verhaltenstherapeutischer Behandlungen, wie sie für die Routine
kennzeichnend sind. Diese Verhaltenstherapie-Kompetenz-Checkliste
(VTKC) definiert was Verhaltenstherapie ist und erlaubt die Beschreibung der Qualität
psychotherapeutischer Behandlungen. Die VTKC ist vergleichsweise unkompliziert
und ökonomisch anzuwenden und auszuwerten. Die Items sind leicht verständlich.
Das Ausfüllen der VTKC benötigt nicht mehr als 10 Minuten. Die VTKC umfasst 11 Dimensionen kognitiv-verhaltenstherapeutischer Interventionen: A: frühere Hausaufgaben bearbeiten, B: Mikroanalyse, C: Makroanalyse, D: Problemlösung, E: Modifikation von Kognitionen, F: Selbstmanagement, G: Hausaufgaben stellen, H: Aufbau eines Arbeitsbündnisses, I: Beziehung, J: Stundenstrukturierung, K: Globalbewertung der VT-Kompetenz. (3) Beschreibung der Qualität der verhaltenstherapeutischen Behandlungen Mittels der VTKC kann sowohl die Quantität als auch die Qualität
der therapeutischen Behandlung analysiert und beschrieben werden. Es konnte
gezeigt werden, dass Therapeuten in der
verhaltenstherapeutisch-psychosomatischen
Routineversorgung in der Rehabilitationsklinik Seehof in den
Einzeltherapeutischen Sitzungen am häufigsten mit Patienten an sog.
„Hausaufgaben“ (71,4%) und der „Modifikation von Kognitionen“
(41,6%). Erwartungsgemäß kommen „Makro-Verhaltensanalysen/Anamneseerhebung“
(19,5%) seltener zur Anwendung. Der Durchschnitt der qualitativen Beurteilungen
der psychotherapeutischen Kompetenzen über alle Therapeuten hin beträgt 3,4
auf einer Skala von 1 = ungenügend bis 7 = exzellent (nach Schulnoten
befriedigend bis ausreichend). Am schlechtesten wird die verhaltenstherapeutische
Basiskompetenz „Erarbeiten und Üben von Problemlösestrategien“ (2,7)
bewertet, am besten die Basiskompetenz „Aufbau und Aufrechterhalten einer
therapeutischen Beziehung“ (5,2). (4)
Vergleichsstudie: Was bewirkt Therapeutentraining? In einer Folgestudie wurden Verhaltenstherapeuten, die in der Routine einer psychosomatischen Rehabilitationsklinik arbeiten, randomisiert in eine Trainings- und eine Kontrollgruppe unterteilt. Zunächst wurden von jedem Therapeuten während einer zweiwöchigen Baselinephase acht Tonbandaufnahmen von Routinebehandlungen archiviert. Die Therapeuten der Trainingsgruppe füllten danach über einen Zeitraum von fünf Monaten täglich nach mindestens einer Therapiestunde die VTKC (Therapeut) aus. Dadurch werden die Therapeuten angeregt, sich täglich daraufhin zu überprüfen, inwieweit ihr therapeutisches Vorgehen den Definitionen der VTKC entspricht. Auch von den Therapiesitzungen, zu denen der VTKC ausgefüllt wurde, wurden Tonbandaufnahmen archiviert. Des Weiteren nahmen die Therapeuten der Interventionsgruppe in 14tägigem Abstand an einem Trainingsseminar teil. Dabei wurden die technischen Operationalisierungen verhaltenstherapeutischer Interventionen erlernt, eingeübt und in den weiteren Therapien zur Anwendung gebracht. In der Kontrollgruppe wurden nur die kliniküblichen Supervisionen durchgeführt. Nach Abschluss der Trainingsphase wurden sowohl von den Therapeuten der Trainings- als auch der Kontrollgruppe erneut jeweils acht Tonbänder über einen Zeitraum von zwei Wochen archiviert. Im Anschluss an die dritte Erhebungsphase wurden die Therapeuten der Trainings- und der Kontrollgruppe zusätzlich aufgefordert, in freier Form ihre Therapie zu beschreiben. Die Antworten wurden einer Inhaltsanalyse in Anlehnung an die VTKC unterzogen. Die Verhaltenstherapeuten, die über mehrere Monate mit Hilfe der VTKC systematisch die Qualität ihrer eigenen Behandlungen überprüften zeigten danach im Vergleich zu einer Kontrollgruppe ein signifikant besseres Theoriewissen. Sie wenden auch ein differenziertes Spektrum an Behandlungsinterventionen an. Es finden sich jedoch keine Unterschiede in der Qualität der Durchführung der angewendeten therapeutischen Interventionen. STAATS
M, BÄR T, LINDEN M: Messinstrumente der Therapeutencompliance in der
Verhaltenstherapie. Verhaltenstherapie,
2003, 13, 62- 67 LINDEN M, STAATS M, BÄR T, ZUBRÄGEL D: The assessment of
treatment strategy in cognitive behavior therapy:
Using the Pivotal Topic Measure. Psychotherapy Research, 2005, 15,
382-391 LINDEN M, HAUTZINGER M (Hrsg.): Verhaltenstherapiemanual.
Springer Verlag, Berlin, 2005 LINDEN
M, MÜLLER C, MILEV D: Das Mehr-Ebenen-Modell psychotherapeutischer
Kompetenz. Verhaltenstherapie, 2007 im Druck LINDEN M, LANGHOFF C; ROTTER M.: Definition, Operationalization and Quality Assurance of Psychotherapy. An Investigation with the Behavior Therapy- Competence-Checklist (BTCC). Psychiatria Danubina, in press
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