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Posttraumatische Verbitterungsstörung (PTED). Ein neues Störungsbild und seine Behandlung. 

 

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Was ist die posttraumatische Verbitterungsstörung?

Anpassungsstörungen spielen im klinischen Alltag eine große Rolle. Dennoch sind sie eine nur unpräzise definierte Gruppe psychischer Störungen, die zudem schwer zu behandeln sind und häufig zu Chronifizierung und Invalidität führen.

In der klinischen Praxis hat sich ein Subtyp der Anpassungsstörungen abgrenzen lassen, der durch das Leitsymptom der anhaltenden Verbitterung nach einschneidenden, wenn auch nicht außergewöhnlichen Lebensereignissen, sowie funktional durch Verletzung zentraler Grundannahmen zu beschreiben ist und einer spezifischen Behandlung bedarf. Diese "Posttraumatische Verbitterungsstörung (Posttraumatic Embitterment Disorder = PTED)" wurde in wissenschaftlichen Untersuchungen der FPR erstmals beschrieben.

Forschungsprojekte zur Beschreibung der PTED

In einem mehrjährigen Forschungsprojekt wurde zunächst das klinische Bild der PTED beschrieben und diagnostische Kriterien erarbeitet. Mit Hilfe eines standardisierten klinischen Interviews sowie mehrerer Selbst- und Fremdratinginstrumente wurden Symptome und Verlauf der PTED erfasst.

Mittels des Stroop-Paradigmas wurde experimentell untersucht, ob die Annahme einer stimulusabhängigen Pathogenese zu belegen ist.

In Zusatzuntersuchungen wurden die Prävalenz und die klinischen Bezüge von Verbitterungsrektionen in der Bevölkerung und Inanspruchnahme-Populationen untersucht.

Weiterhin wurde unter Bezug auf Neuentwicklungen der Weisheitspsychologie untersucht, inwieweit ein „Mangel an Weisheitskompetenzen" ein Vulnerabilitätsfaktor in der Entwicklung der PTED ist. Dazu wurden verschiedene Weisheitskompetenzen von jeweils 50 Patienten mit der klinisch gestellten Diagnose einer PTED mit einer parallelisierten Kontrollgruppe verglichen. Jeweils die Hälfte beider Gruppe erhielt ein Weisheitstraining. In einem Posttest wurde erneut eine Messung der Weisheitskompetenzen vorgenommen, um Rückschlüsse auf die Wirkung des Trainings ziehen zu können.

Ergebnisse

Die Ergebnisse zeigen, dass Patienten mit einer PTED im Querschnitt deutlich kränker sind als die Vergleichspatienten, charakteristische Symptome einer posttraumatischen Störung zeigen.

Das standardisierte Interview zur Diagnostik von PTED erwies sich als reliabel mit hoher Spezifität und Sensivität. Gleiches gilt für die PTED-Selbstbeurteilungsskala.

Im Stroop-Test finden sich verlängerte Reaktionslatenzen bei traumaassoziierten Stimuli.

Die problembezogenen Weisheitskompetenzen sind bei PTED-Patienten (AM = 1,17) deutlich niedriger ausgeprägt als bei der Kontrollgruppe (AM = 2,05). Die Retestreliabilität der Weisheitsmessung zeigt mit r = 0,76 eine hohe Korrelation und erweist sich damit als reliabel. Weisheitskompetenzen können bei PTED-Patienten durch ein Training verbessert werden. Nach dem Weisheitstraining unterscheiden sich PTED-Patienten hinsichtlich ihrer Weisheitskompetenzen nicht mehr von der Kontrollgruppe.

Erste Erhebungen mit der PTED-Selbstbeurteilungsskala in einer Bevölkerungsstichprobe zeigen, dass etwa jeder zweite Mensch sich an Erlebnisse in den vergangen Jahren zurückerinnert, die ihn verletzt, gekränkt, verbittert und betroffen gemacht haben. Eta 2 bis 5 Prozent haben seitdem an sich eine bleibende Beeinträchtigung ihres psychischen Zustandes erlebt mit sozialem Rückzug, psychosomatischen Beschwerden, Schlafstörungen und Beeinträchtigungen der Arbeitsfähigkeit.

Weisheits-Therapie-Studie

Da sich in den Vorstudien Hinweise fanden, dass Weisheit durch Methoden der kognitiven Verhaltenstherapie trainierbar ist, wurde eine spezifische Therapie für diese Erkrankung entwickelt. Es wird nun eine drittmittelfinanzierte kontrollierte Therapiestudie durchgeführt, in der PTED-Patienten randomisiert entweder mit einer "Weisheitstherapie" behandelt werden, in der sie sich unter Nutzung weisheitspsychologischer Prinzipien mit dem kritischen Lebensereignis auseinandersetzen, oder aber mit einer "Genusstherapie", in der sie möglichst nicht an das Ereignis erinnert und stattdessen nur zur Selbstpflege angehalten werden.

Beide Probandengruppen werden jeweils vor und nach dem Training hinsichtlich der Verteilung von Immunzellen und Immunparametern untersucht und miteinander verglichen.

Mit beiden Probandengruppen wird eine funktionelle Magnetresonanztomographie-Untersuchung (fMRT) durchgeführt um zu klären, welche Rolle der anteriore gyrus cinguli bei Verbitterungsreaktionen spielt.

Kooperationspartner

Frau PD Dr. med. P.C. Arck, Biomedizinisches Forschungszentrum an der Charité Universitätsmedizin Berlin

Prof. Dr. med. A. Heinz und Dr. med. T. Kienast, Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Charité Campus Mitte – Universitätsmedizin Berlin

Publikationen

Linden, M. (2003). Posttraumatic Embitterment Disorder. Psychotherapy and Psychosomatics, 72, 195 – 202.

Linden, M., Schippan, B., Baumann, K., Spielberg, R.(2004). Die posttraumatische Verbitterungsstörung (PTED). Abgrenzung einer spezifischen Form der Anpassungsstörungen. Der Nervenarzt, 75, 51 – 57.

Schippan, B., Baumann, K., Linden, M. (2004). Weisheitstherapie. Kognitive Therapie der Posttraumatischen Verbitterungsstörung. Verhaltenstherapie, 14, 284-293.

Linden, M. (2005). Die Posttraumatische Verbitterungsstörung. Eine pathologische Verarbeitung von Kränkungen. Psychoneuro, 31, 21-24.

Baumann, K., Kessler, H., Linden, M. (2005). Die Messung von Emotionen. Verhaltenstherapie und Verhaltensmedizin, 26, 169 – 197.

Linden, M., Baumann, K., Rotter, M., Schippan, B. (2007). Psychopathology of Posttraumatic Embitterment Disorder. Psychopathology.

Linden, M., Rotter, M., Baumann, K., Lieberei, B. (2007). The Posttraumatic Embitterment Disorder. Toronto: Hogrefe & Huber.

PTED Buch      

Linden, M., Baumann, K., Rotter, M., Schippan, B. (2007). Posttraumatic Embitterment Disorder (PTED) in comparison to other mental disorders. Psychotherapy and Psychosomatics, in press.                                    

Diplomarbeiten und Dissertationen

NEUMANN A: Psychische Gesundheit und bereichsspezifische Lebenszufriedenheit bei Arbeitslosen. Psychologische Diplomarbeit am Psychologischen Institut der Universität Potsdam 2004

RITTER K: Globale und differentielle Lebenszufriedenheit: Eine Untersuchung mit dem Differentiellen Lebenszufriedenheitsfragebogen (DLZF). Psychologische Diplomarbeit am Institut für Psychologie der Humboldt-Universität Berlin 2003

ROTTER M: The Posttraumatic Embitterment Disorder (PTED). Unveröffentlichte Diplomarbeit, Freie Universität Berlin, 2005.

POPIEN C: Bereichsspezifische Lebenszufriedenheit im Kontext sozialer Beziehungen. Diplomarbeit am Psychologischen Institut im FB Erziehungswissenschaften und Psychologie der Freien Universität Berlin, 2005

ALBRECHT S: Verbitterung bei Allgemeinarztpatienten auf der Grundlage der „Posttraumatischen Verbitterungsstörung“. Diplomarbeit im Hauptstudiengang Psychologie am Institut für Psychologie der Humboldt Universität Berlin, 2005

SPIELBERG R: Informationsverarbeitungsprozess bei Patienten mit posttraumatischen Verbitterungsstörungen“ Dissertation am Psychologischen Institut an der Mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät II der Humboldt Universität zu Berlin, 2006

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