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Bibliotherapie in der Rehabilitation

 

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Was ist Bibliotherapie?  

In vielen Studien konnte bereits gezeigt werden, dass Patientenschulungen nachweislich die Eigenverantwortung des Patienten fördern, durch eine verbesserte Krankheits- und Behandlungsansicht. Patientenschulung führt zu:

1) verbesserter Eigenverantwortung und höherer Autonomie des Patienten (Empowerment)

2) verbesserter Lebensqualität

3) Entlastung der Bezugspersonen

4) Kostenreduktion  

Eine zeit- und kostenökonomischere Alternative zu Patientenschulungen sind Broschüren oder auch bibliotherapeutische Materialien. Bibliotherapeutische Materialien werden in der Praxis zwar häufig und gerne eingesetzt, Qualität und Nutzen der Broschüren sind allerdings selten bekannt.  

Bibliotherapeutische Texte müssen eine Reihe struktureller Anforderungen erfüllen. Der Text sollte sich auf wichtige Informationen konzentrieren, während Vollständigkeit nur ein nachgeordneter Aspekt ist. Die Texte müssen so formuliert sein, dass sie dem Patienten verständlich sind. Die Inhalte sollten von genereller Relevanz sein, d.h. sie müssen für viele Personen gelten. Die Empfehlungen dürfen kein relevantes Risiko haben, auch dann nicht, wenn es zu Mißverständnissen oder Fehlanwendungen kommt. Die Handlungsempfehlungen sollten dem Patienten Wahlmöglichkeiten hinsichtlich der Behandlungsziele wie des Vorgehens lassen. Da sich die Bibliotherapie ihrer Natur nach unmittelbar an den Patienten wendet, müssen die Texte sich auf die Informationen konzentrieren, die die Eigenverantwortung des Patienten fördern.  

In der stationären psychosomatischen Rehabilitation kann Bibliotherapie ergänzend zu den etablierten Behandlungsprogrammen mehrere Funktionen haben. Sie bietet die Möglichkeit zu einer Behandlungsökonomisierung, einer Behandlungsintensivierung und einer Verbesserung des Behandlungstransfers, indem das, was in der Einzel- oder Gruppentherapiesitzung besprochen wird, durch bibliotherapeutische Informationen ergänzt wird und die Patienten dann auch zukünftig jederzeit auf diese Materialien zurückgreifen können. Bibliotherapie stellt daher gerade für die stationäre psychosomatische Rehabilitation, ggfls. auch für die medizinische Rehabilitation insgesamt, eine interessante Therapiemöglichkeit dar. Grundsätzlich kann Bibliotherapie die Patientenaufklärung unterstützen, die partizipative Entscheidungsfindung, die Selbstverantwortung von Patienten und die Krankheitsbewältigung von Patienten. Von daher erscheint es geboten und vielversprechend, sich dieser Therapieoption in der Rehabilitation systematisch zuzuwenden und sie für die klinische Anwendung nutzbar zu machen.

Bibliotherapie kann im vorbeschriebenen Sinne therapeutisch förderlich sein, sie kann aber auch unerwünschte Wirkungen haben. Beispiele sind die Induktion von Missverständnissen, von Hoffnungslosigkeit und negativen Sichtweisen auf die eigene Erkrankung oder von Fehlbehandlungen.

Forschungsprojekte

(1) Untersuchung zur Inanspruchnahme von Bibliotherapie in der psychosomatischen Rehabilitation

In einer ersten Studie wurden eine Reihe von kurzen Broschüren erstellt und Therapeuten zur Verfügung gestellt, um sie bei Bedarf an Patienten auszuhändigen.

Es fand sich, dass von den Therapeuten an etwa ein Drittel ihrer Patienten Broschüren ausgegeben wurden. Dies waren vor allem Patienten mit einem höheren Beschwerdegrad aber auch höheren Bildungsgrad. Die Patienten, die Broschüre erhalten haben zeigten danach ein besseres Krankheitsverständnis und beurteilen eine schriftliche Zusatzinformation positiv. Etwa die Hälfte der einschlägigen Patienten sprach anschließend auch mit dem Therapeuten über das, was sie gelesen haben.

(2) Untersuchung zu den therapeutischen Wirkungen einer Bibliotherapie

In einer nächsten Studie sollen neben der Erfassung des krankheitsspezifischen Wissenszuwachses, auch Einflüsse auf die Krankheitsbewältigung, die Therapeut- Patient Beziehung und den Behandlungsverlauf untersucht werden.

Wenn Therapeuten bibliotherapeutische Materialien empfehlen oder in ihre Therapie integrieren, dann sind sie wie bei der Verordnung anderer Therapeutika dafür verantwortlich, dass dem Patienten dadurch kein Schaden entsteht und dass die Therapie zielführend ist. Bislang gibt es aber keine bibliotherapeutischen Materialen, die hinsichtlich eines Einsatzes in der psychosomatischen Rehabilitation empirisch auf ihre Wirksamkeit hin überprüft wären. Von daher erscheint es geboten und vielversprechend, sich dieser Therapieoption systematisch zuzuwenden, geeignete Texte zu entwickeln, sie empirisch auf ihre Wirkungen zu überprüfen und sie für die klinische Anwendung nutzbar zu machen.

Mit dieser Studie werden die folgenden Ziele verfolgt:

- Es sollen bibliotherapeutische Texte erstellt werden, die ergänzend zur Verhaltenstherapie in der Psychosomatischen Rehabilitation an Patienten weitergegeben werden können.

- Es soll in einer randomisiert kontrollierten Studie untersuchen werden, ob der Einsatz bibliotherapeutischer Materialien zu erkennbaren Verbesserungen im Therapieverlauf und Therapieergebnis führt.

Literatur:

Grahlmann, K. & Linden, M. (2005). Bibliotherapie. Verhaltenstherapie, 15, 88-93.

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