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Projektbereich Internationale Gesundheitswissenschaften
Koordination:
Dr. med. Peter Tinnemann, MPH
Forschungsprojekte
Team
Gesellschaftlichen Änderungen, Politik- und Ideologiewechseln, sowie Umbrüchen und neuen Prioritäten in der Forschung führen zu neuen Wahrnehmungen der Gesundheit von Bevölkerungen.
In den vergangen Jahrzehnten hat der Prozess der Globalisierung dazu geführt, dass Menschen weltweit zunehmend ökonomisch, kulturell, physisch oder legal in Kontakt stehen. Menschen werden durch globale Märkte, das Internet, weltweite Umweltveränderungen oder internationale Migration voneinander abhängig. Parallel zu diesen Entwicklungen hat sich der neue Public Health Lehr- und Forschungsbereich „Global Health“ herausgebildet, der sich darum bemüht Gesundheit im Kontext globaler politischer, sozialer, ökonomischer und kultureller Faktoren zu verstehen.
Historisch war die internationale Gesundheitswissenschaft vielfach auf transnationale Infektionserkrankungen beschränkte und ist mit der Auseinandersetzung von Gesundheitsproblem in Entwicklungsländern assoziiert. In der Global Health Forschung überwiegen heute Fragestellungen, die sich mit den Auswirkungen von Globalisierung auf Gesundheit beschäftigen. Der neue Themenbereich Globale Gesundheit umfasst neben den Auswirkungen der Globalisierung auf Gesundheit auch die globale Ungleichheit von Gesundheit sowie Wechselwirkungen zwischen Gesundheit und medizinischen, sozialen, ökonomischen sowie politischen Determinanten.
Da sozio-medizinische Wechsel immer auch einen großen Einfluss auf die Art und Weise wie Medizin von Ärzten praktiziert und and Universitäten gelehrt wurde ist ein verantwortungsvolle Integration des Themas in medizinische Fakultäten wichtig. Besonders (junge) MedizinerInnen benötigen heute umfangreich Wissen, Fähigkeiten und Kompetenzen um eine globalisierte Welt zu verstehen und um in ihr tätig werden zu können.
Entwicklung des Projektbereichs
Der Projektbereich hat sich aus dem ehemaligen Institut für Internationale Gesundheitswissenschaften (Prof. em. Frank Schelp) entwickelt und setzt sich heute besonders mit Globaler Gesundheit auseinander.
Historisch bestanden enge wissenschaftliche Kooperationsbeziehungen zwischen universitären Forschungsinstitutionen in den Philippinen, Thailand und Laos, die zu regelmäßigen Austausch von Stipendiaten und Doktoranden geführt haben.
Diese internationale Forschungszusammenarbeit führte vormals zu intensiver Beschäftigung mit Infektionserkrankungen aus einer Public Health Perspektive. Infektionserkrankungen wurden dabei einerseits als wieder zunehmende auftretendes Problem in Industrienationen wahrgenommen, sowie gleichzeitig als chronisches Gesundheitsproblem der Entwicklungsländer. Schwerpunkte in der Forschungszusammenarbeit mit Kollegen aus Süd-Ost Asien, sowie auch Nordamerika und Australien, lagen dabei besonders auf Mutter- und Kindergesundheit, sowie epidemiologischen Aspekten der Malaria und Dengue-Fieber Ausbreitung.
Ein weiterer inhaltlicher Schwerpunkt der Arbeit war die Auseinandersetzung mit allgemein-epidemiologischen Fragestellungen, die häufig einen methodischen Schwerpunkt hatten. Arbeitsgebiete waren die Modellierung von Effekten in multizentrischen Studien, methodische Fragen der internationalen Vergleichbarkeit epidemiologischer Daten und die Anwendung von Capture-Recapture-Verfahren in der Public Health Forschung. Letztere hatten die Erfassung von epidemiologisch schwer zugänglichen Populationen zum Ziel. Ein epidemiologisches Anwendungsprojekt dieser Capture-Recapture--Verfahren im Surveillance - Bereich beschäftigte sich mit der Schätzung der Anzahl von Drogenabhängigen in Thailand.
Neben ausgiebigen Forschungstätigkeiten unterstützte die Abteilung den Aufbau vom Master Studiengängen in Epidemiologie an der Universität Manila (Philippinen), der Mahidol Universität Bangkok und Khon Kaen Universität (beide Thailand). Diese Arbeit wurde durch die Deutsch Forschungemeinschaft (DFG), den Deutschen Akademischen Austausch Dienst (DAAD) und das Bundesministerium für Wirtschaftlich Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) finanziert.
Forschung
Öffentlich finanzierte Forschung spielt international immer noch ein Schlüsselrolle bei der Forschung und Entwicklung neuer Medikamente, Impfungen oder von diagnostischen Verfahren. Geistige Eigentumsrechte verhindern allerdings oft, das weltweit viele Menschen von Innovationen profitieren können. Über die Verantwortung öffentlich finanzierte Forschung gegenüber der finanzierenden Öffentlichkeit wurde an Forschungseinrichtungen in Deutschland bisher weder diskutiert noch geforscht.
Der Projektbereich kooperiert mit BUKO-Pharma (Dr. Christian Wagner-Ahlfs) und der Universität Bremen (Prof. Christine Godt) im Rahmen eines Forschungsschwerpunktes zur Untersuchung der Rolle und des Einfluss geistiger Eigentumsrechte in öffentlich finanzierten Forschungsprojekten. Vor diesem Hintergrund wurde die erste internationale Konferenz zum Thema „Equitable Licensing“ 2009 an der Charité durchgeführt.
Im Rahmen der intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema öffentlich finanzierte Forschung entstand eine enge Zusammenarbeit mit der Organisation „Universities Allied for Essential Medicines“ (http://essentialmedicine.org) die dabei unterstützt wurde so genannte „Chapter“, lokale Gruppen, an verschiedenen Deutschen medizinischen Universitäten aufzubauen.
In Zusammenarbeit mit national und international tätigen Organisationen werden Forschungsprojekte durchgeführt:
Aus einer langjährigen Kooperation in der universitären Lehre des Institutes für Sozialmedizin mit der Jenny de la Torre Stiftung (http://www.delatorre-stiftung.de/), die medizinische Hilfe und Betreuung für Obdachlose durchführt, ist eine wissenschaftliche Kooperation zum Thema medizinische Versorgung von obdachlosen Menschen entstanden.
Gemeinsam mit den Organisationen Ärzte der Welt (Dr. Lecia Feszczak) und Ärzte Ohne Grenzen werden Projekte zur medizinischen Versorgung von Migranten ohne Aufenthaltstatus analysiert.
Ein Projekt von Ärzte ohne Grenzen (Saskia van der Kam) zur „Effektivität von Ready-to-use Therapeutic Food (RUTF) zur Nahrungsergänzung auf Wachstumsentwicklung bei Kindern mit Malaria“ wird wissenschaftlich begleitet.
Augenblicklich befindet sich im Aufbau die Aktion „LAIB und SEELE“ (http://www.laib-und-seele-berlin.de/) der Berliner Tafel, der Berliner Kirchen und des Rundfunk Berlin-Brandenburg wissenschaftlich zu betreuen um die Auswirkungen von Ernährung und Armut zu untersuchen.
Forschungsergebnisse verbreiten
Der Projektbereich ist heute auf allen relevanten Veranstaltungen und in Gremien zum Thema Global Health vertreten und beteiligt sich an der Organisation des internationalen „Humanitäre Kongress“ (www.humanitaererkongress.de). Durch den regelmäßigen und regen Austausch hat sich der Projektbereich als Referenz für nationale und internationale Forscher in Deutschland etabliert.
2008 wurde in Kollaboration mit der Universität Cambridge und der London School of Tropical Medicine and Hygiene ein Workshop zum Thema „Public Health Research Priorities“ mit Regierungsvertretern und Forschern aus Osteuropäischen Staaten durchgeführt.
Besonders die intensive Auseinandersetzung mit interessierten Studierenden und zivilgesellschaftliche Organisationen zu Gesundheit im nationalen und globalen Kontext trägt maßgeblich zur Weiterentwicklung des Themas Globale Gesundheit in Deutschland bei. Gemeinsam mit der Studierenden Organisation „Globalisation and Health Initiative“ (GandHI) wurde 2008 eine deutschlandweite Veranstaltungsreihe zum Thema Global Health durchgeführt.
Historisch bestehen wissenschaftliche Kooperationsbeziehungen zu universitären Forschungsinstitutionen wurden durch Austausch von Studierenden und Gastwissenschaftlern aus afrikanischen und nordamerikanischen Universitäten sowie zu zivilgesellschaftlichen Organisationen ergänzt.
Ausblick für die Zukunft
Das Thema Globale Gesundheit soll weiterhin aktiv erarbeitet und erweitert werden. Zusätzliche Lehrveranstaltungen aus dem Themenbereich sollen für Studierende angeboten werden.
Eine nationale multidisziplinäre Erweiterung und internationale Vernetzung, sowie stärker Kollaboration mit Akteuren aus dem zivilgesellschaftlichen Bereich, ist geplant.
Forschungsprojekte
Team
Wissenschaftler
Prof. Dr. med. Stefan N. Willich, MPH, MBA
Priv.-Doz. Dr. med. Thomas Keil, MSPH
Dr. rer.medic. Dipl.-Stat. Stephanie Roll
Dr. rer.nat. Nanette Ströbele
Dokumentare
Sylvia Binting
Study Nurses
Beatrice Chew
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