Therapiemöglichkeiten und individuelle Behandlungsstrategien
Das Obstruktive Schlafapnoe-Syndrom stellt eine schwere schlafbezogene Atmungsstörung dar, die lebensbedrohliche Folgeerkrankungen nach sich ziehen kann. Diagnostik und Therapie müssen daher mit besonderer Sorgfalt betrieben werden. Beim Obstruktiven Schlafapnoe-Syndrom kommt es während des Schlafs wiederholt zu einem Kollaps im Rachenraum, wodurch die oberen Atemwege teilweise oder gänzlich blockiert werden. Die Symptome umfassen übermäßige Tagesschläfrigkeit, Leistungsabfall in Beruf und Alltag sowie Depressionen.
Die Vorgänge, die zur Blockierung der oberen Atemwege im Schlaf führen, sind äußerst komplex und kompliziert. Da sich während des Schlafs die Muskeln im Rachenraum entspannen, kann es im Gegensatz zum Wachzustand leichter zu einem Verschluss der Atemwege kommen. Der von der Lunge aufgebaute Unterdruck kann zur Verengung der oberen Atemwege und somit zu derem Kollabieren beitragen. Man kann sich den Vorgang sehr gut verdeutlichen, wenn man sich vorstellt, wie ein Strohhalm in sich zusammenfällt, indem man ihn an einem Ende zudrückt und gleichzeitig am anderen Ende saugt.
Zur Behandlung des Obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms stehen verschiedene Therapieverfahren zur Verfügung, die in manchen Fällen nur zum Erfolg führen, wenn sie kombiniert angewandt werden. Bei entsprechender Behandlung lassen sich schwere Folge- und Begleiterkrankungen der obstruktiven Schlafapnoe vermeiden bzw. beheben.
Änderung des Lebensstils
Bestimmte Verhaltensweisen und Lebensgewohnheiten können das Syndrom der Obstruktiven Schlafapnoe verstärken. In leichteren Fällen von Schlafapnoe gelingt es manchmal, durch Änderungen und Anpassungen der Lebensweise die Symptome zu reduzieren oder gänzlich zu beseitigen.
Veränderung der Schlaflage
Die Schwerkraft bewirkt, dass in der Rückenlage das Gewebe im Rachenraum abwärts sinkt. Dieser Effekt begünstigt die Verengung der Atemwege und das Kollabieren der Atemwege. Durch Veränderung der Schlaflage lässt sich die Situation manchmal entscheidend verbessern.
Zur Gewöhnung an das Schlafen in der Seitenlage kann man sich verschiedener Tricks bedienen. Die einfachste Methode stellt dabei die Verwendung eines Tennisballs dar. Dazu wird eine kleine Tasche auf dem Rückenteil des Schlafanzuges aufgenäht, in die man einen Tennisball steckt. Wenn der Schlafende nachts in die Rückenlage zurückfällt, sorgt der unangenehme Druck im Rücken dafür, sich wieder auf die Seite zu legen. Alternativ kann auch ein Stück Schaumstoff verwandt werden.
Gewichtsreduktion und Sport
In manchen Fällen lässt sich obstruktive Schlafapnoe durch Gewichtsreduktion wirkungsvoll behandeln. Dabei ist es sehr wichtig, anschließend das Gewicht zu halten, da bei erneuter Zunahme Schnarchen und Apnoen wiederkehren. Übergewichtige Personen sollten sich vom Hausarzt beraten lassen, welches Diät- bzw. Sportprogramm in ihrem Fall geeignet ist, um erfolgreich abzunehmen.
Rauchen
Die Vermutung, dass Rauchen sowohl Schnarchen als auch Schlafapnoe begünstigt, wird durch einige Forschungsergebnisse bekräftigt. Daher ist es zu empfehlen, bei Schlafapnoe das Rauchen aufzugeben.
Alkohol und Beruhigungsmittel
Ein Glas Wein vor dem Schlafengehen kann ausreichen, um Schnarchen zu verstärken und die Häufigkeit der Apnoen zu steigern. Aus diesem Grund sollte man vier Stunden vor dem Schlafengehen keinen Alkohol mehr zu sich nehmen.
Mechanische Behandlungsmethoden
Aufbissschienen
Aufbissschienen sind technische Hilfsmittel, mit denen sich in bestimmten Fällen die Atemwege offenhalten lassen. Sie dienen dazu, die Zunge oder das Kinn nach vorne zu verlagern, wodurch der hinter der Zunge gelegene Atemraum vergrößert wird. Sie werden von einem Zahnarzt, der mit einem Schlafmedizinischen Zentrum zusammenarbeitet, individuell angefertigt und angepasst. Dabei kommen, je nach Problemlage, verschiedene Prothesentypen zur Anwendung, die direkt vor dem Schlafengehen in den Mund gesetzt werden. Mit Hilfe der Esmarch-Prothese wird z. B. der Unterkiefer um wenige Millimeter nach vorne verlagert und so das Zurückfallen des Zungengrundes verhindert. Auf diese Weise werden die Atemwege offengehalten. Bei einer anderen Kunststoffprothese wird einer leichter Sog erzeugt, der die Zunge vorne hält und damit ebenfalls verhindert, dass die Atemwege durch die zurückfallende Zunge verschlossen werden. Diese Prothesen eignen sich zur Behandlung leichterer Fälle von Schlafapnoe. Wenige Studien haben einen Erfolg nachgewiesen. EIne evidenz-basierte Wirksamkeit wurde nicht nachgewiesen.
nCPAP-Therapie
Die nasale positive Überdruckbeatmung mittels nCPAP (nasal continuous positive airway pressure) stellt die effektivste Methode zur Behandlung der Schlafapnoe dar. Dazu liegen mehrere gut abgesicherte Studien vor. Die neuen Studien konnten auch eine Wirksamkeit nach den Kriterien der evidenz-basierten Medizin nachweisen. Der über eine nasale Beatmungsmaske zugeführte Druck bewirkt, dass die Atemwege offengehalten werden. nCPAP-Geräte bestehen aus einer mit einem Schlauch verbundenen nasalen Atemmaske und einem Gebläse, mit dem Raumluft in die Atemwege gepumpt wird. Die nasale Atemmaske, die den Nasenbereich abdeckt, wird mit einer speziellen Halterung am Kopf befestigt. Zu dieser Maskenform gibt es ein alternatives Modell, bei dem kleine Endstücke aus weichem Plastik direkt in die Nasenlöcher zur Weiterleitung des Luftstroms eingeführt werden. Zur Zeit sind verschiedene Geräte und Marken auf dem Markt erhältlich. Sie sollten mit Ihrem Arzt besprechen, welches Modell in Ihrem Fall zu empfehlen ist.
In der Regel wird die nCPAP-Behandlung von den Patienten gut angenommen. Bei einigen Patienten treten allerdings Nebenwirkungen auf, wie das Austrocknen der Schleimhäute im Nasen-Rachenraum oder Klaustrophobie. Diese Probleme lassen sich gewöhnlich mit geringem Aufwand lösen. So lässt sich z. B. mit einem Luftbefeuchter das Austrocknen der Schleimhäute reduzieren. Klaustrophie kann in manchen Fällen mit Entspannungstechniken überwunden werden. Insgesamt nimmt die Lebensqualität der Patienten mit Schlafapnoe wieder beträchtlich zu. Die Tagesschläfrigkeit verschwindet, die Leistungsfähigkeit wird wieder hergestellt und psychische Beeinträchtigungen in Folge des nicht-erholsamen Schlafes werden beseitigt.
Chirurgische Eingriffe
Wenn die klassischen Therapiemethoden zur Behandlung der obstruktiven Schlafapnoe versagen, müssen operative Verfahren in Erwägung gezogen werden. Vor einer Operation wird der Patient umfassend über Risiken und mögliche Nebenwirkungen aufgeklärt. Chirurgische Eingriffe kommen nur in spezifischen Fällen zur Anwendung. Bisher hat keine chirurgische Therapie den Nachweis einer Wirksamkeit nach den Kriterien der evidenz-basierten Medizin erbracht.
Nasenoperationen
Nasenoperationen werden zur Entfernung von Geschwulsten und Wucherungen, die eine freie Atmung behindern, sowie bei Nasenscheidewandverkrümmumgen durchgeführt. Manchmal ist die Operation Teil eines umfangreichen Behandlungsplans, der unterschiedliche Therapieverfahren vereint, die sich gegenseitig ergänzen.
Uvulopalatoplastik per Lasertechnik
Dieses relativ neue Operationsverfahren wird vorwiegend zur Reduzierung des Schnarchens eingesetzt. Mit Hilfe eines Lasers werden Teile des Gaumenzäpfchens und des weichen Gaumens chirurgisch entfernt. Die Operation wird in mehreren Sitzungen ambulant durchgeführt. Trotz vielversprechender Aussichten sollten sich Patienten darüber im Klaren sein, dass die Wirksamkeit dieser Methode zur Behandlung von Schlafapnoe nicht eindeutig nachgewiesen ist.
Uvulopalatopharyngoplastik (UPPP)
Das operative Verfahren wird zur Entfernung des Gaumenzäpfchens, der Mandeln und von Teilen des weichen Gaumens eingesetzt. Die Erfolgsrate dieser Operationstechnik liegt bei ca. 50%. Manche Patienten klagen allerdings über Nebenwirkungen, wie schwere Schmerzen im Kehlbereich, nasale Sprache und das Rückströmen von Flüssigkeiten in die Nase beim Schlucken und Trinken.
Vorverlagerung von Ober- und Unterkiefer
Hierbei handelt es sich um ein operatives Verfahren zur Korrektur des Ober- und Unterkiefers. Nach Durchtrennung des Kieferknochens werden Ober- und Unterkiefer vorverlagert. An die Operation, die unter Vollnarkose erfolgt, schließt sich ein Kliniksaufenthalt von einigen Tagen an. Dieses Operationsverfahren ist zeitaufwendig und kostspielig, führt aber zu guten Ergebnissen. Es eignet sich besonders für die Korrektur eines Kiefers, der ungewöhnlich klein ausfällt oder zu weit hinten sitzt.
Lingualplastik und Glossektomie
Lingualplastik und Glossektomie entlang der Medianlinie mittels Lasertechnik sind Operationsverfahren, die sehr selten eingesetzt werden. Dabei wird am hinteren Teil der Zunge ein Stück entfernt, um den dahinterliegenden Raum zu vergrößern.
Tracheotomie
Das chirurgische Verfahren sollte nur bei Schlafapnoe mit lebensbedrohlichen Zuständen und als letztmögliche Maßnahme angewandt werden. Nach einem Luftröhrenschnitt wird ein Spezialtubus in die Luftröhe eingeführt, der vor dem Schlafen geöffnet wird und einen freien Luftfluss garantiert, der in die Lunge geleitet wird. Mit Hilfe dieses Bypass-Verfahrens werden Hindernisse und Blockaden der Atemwege wirkungsvoll überwunden. Am Tage wird der Tubus wieder geschlossen, so dass der Patient normal atmen und sprechen kann.
Medikamentöse Behandlungsmethoden und Therapievarianten
Medikamentöse Behandlungsmethoden allein reichen in der Regel nicht aus, um Schnarchen und obstruktive Schlafapnoe erfolgreich zu therapieren. Bei leichten Fällen von Schlafapnoe lassen sich manchmal allerdings gute Behandlungsergebnisse erzielen. In den meisten Fällen können sie jedoch nur Teil eines umfassenden Behandlungsprogramms sein. Bisher hat keine medikamentöse Therapie den Nachweis einer Wirksamkeit nach den Kriterien der evidenz-basierten Medizin erbracht.
Nasensprays
Rezeptfreie Nasensprays, die eine Verstopfung der Nase beseitigen sollen, sind aufgrund der Gewöhnungsgefahr nicht unbedenklich. Daher sollten sie nie länger als ein paar Tage benutzt werden. Rezeptpflichtige Nasensprays können zwar eine verstopfte Nase frei machen, entfalten ihre Wirkung aber manchmal erst nach Tagen oder gar Wochen. Bei ständigen Blockierungen der Nase, die z. B. auf eine Nasenscheidewandverkrümmung oder Wucherungen zurückgehen, eignen sich Nasensprays dagegen nicht.
Dekongestionsmittel
Medikamente gegen Verstopfung der Nase verschaffen zwar in der Regel eine gewisse Erleichterung, kommen aber nicht als eigentliche Behandlungsmethode gegen Schlafapnoe in Betracht. Während sie möglicherweise das Atmen erleichtern, können sie andererseits Ein- und Durchschlafschwierigkeiten auslösen.
Respiratorische Stimulantien
Protriptylin wird in leichten Fällen zur Behandlung von Schlafapnoe eingesetzt. Es handelt sich dabei um ein Antidepressivum, das den Anteil des REM-Schlafs (Traumschlaf) verringert, d. h. jene Schlafphase verkürzt, in der Apnoen besonders häufig und mit langer Dauer auftreten. Protriptylin kräftigt und strafft zudem die Halsmuskulatur. Es können allerdings leichte Nebenwirkungen, wie z. B. Mundtrockenheit und Verstopfung, auftreten. Protriptylin eignet sich nicht bei Bluthochdruck oder Herz-Rhythmus-Störungen. Seltener wird dagegen Medroxyprogesteron zur Behandlung des Obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms verschrieben. Hierbei handelt es sich um ein Hormon, zu dessen Nebenwirkungen starker Haarwuchs, Stimmungsschwankungen und Wassereinlagerung zählen. Die Behandlungsergebnisse sind im übrigen relativ wechselhaft. Bei ausgewählten Patienten wurde auch eine Abnahme der Apnoen bei Gabe von Theophyllin beobachtet.
Sauerstoffbehandlung
Diese Behandlungsmethode wird angewandt, wenn der Sauerstoffgehalt im Blut aufgrund von zusätzlichen Herz- und Lungenerkrankungen zu niedrig ist. Um optimale Ergebnisse zu erlangen, kann die Sauerstoffbehandlung in Kombination mit der nCPAP-Therapie eingesetzt werden.
Kontrolluntersuchungen
Unabhängig von der jeweiligen Therapiemethode zur Behandlung von obstruktiver Schlafapnoe müssen stets Kontrolluntersuchungen durchgeführt werden. In diesem Zusammenhang sind auch regelmäßige Kontrolltermine erforderlich, da der Schweregrad der Schlafapnoe mit steigendem Alter zunehmen kann. Wenn Schnarchen oder Tagesschläfrigkeit wiederkehren, kann dies ein Hinweis auf erneute Apnoen sein, die andere bzw. zusätzliche Behandlungsmethoden erfordern.
Weitere Informationsquellen
Leitlinie S3 "Nicht erholsamer Schlaf"
der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) online auf der AWMF-Homepage (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften.
Liste DGSM-akkreditierter Schlaflabore
Deutsche Gesellschaft für HNO-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie. Schnarchen. Obstruktive Schlafapnoe (OSA) und obstruktives Schnarchen.
Literaturverzeichnis
Malhotra A, White DP: Obstructive sleep apnoea. The Lancet 360 (2002), 237-245.
Marti S, Sampol G, Munoz X, Torres F, Roca A, Lloberes P, Sagales T, Quesada P, Morell F: Mortality in severe sleep apnoea/hypopnoea syndrome patients: impact of treatment. Eur Respir J. 20(6) (2002), 1511-8.
Penzel T, Brandenburg U, Peter JH: Diagnostik schlafbezogener Atmungsstörungen in Schlaflabor. Klinische Neurophysiologie 32 (2001), 126-132.
Conradt R, Hochban W, Heitmann J, Brandenburg U, Penzel T, Peter JH: Schlafstruktur bei OSA-Patienten im Therapievergleich (nCPAP vs. Ober- und Unterkiefer-Vorverlagerung). Somnologie 2 (1998), 63-68.
Chesson AL Jr, Ferber RA, Fry JM, Grigg-Damberger M, Hartse KM, Hurwitz TD, Johnson S, Kader GA, Littner M, Rosen G, Sangal RB, Schmidt-Nowara W, Sher A: The indications for polysomnography and related procedures. Sleep 20(6) (1997), 423-87.
Grote L, Schneider H, Ploch T, Penzel T, Peter JH: Gesteigerte Tagesmüdigkeit, nächtliche Hypertonie und Schlafapnoe: Untersuchungen in einer Landarztpraxis. Pneumologie 51 (1997), 750-753.
Schramm E, Riemann D: ICSD - Internationale Klassifikation der Schlafstörungen. Weinheim, PVU-Beltz 1995.
Quellenangabe
Der Text wurde aus dem Amerikanischen übersetzt und unter Berücksichtigung der
schlafmedizinischen Praxis in Deutschland redaktionell überarbeitet. Die Originalvorlage entstammt der Broschüre:
"Treatment Options for Obstructive Sleep Apnea Syndrome". American Sleep Disorders Association, Rochester, MN, USA, Copyright 1997. |