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Wann erfolgt eine Messung im Schlaflabor?Eine Messung im Schlaflabor ist das letzte und aufwendigste Verfahren in der Diagnostik von Schlafstörungen. Nur wenn Schlafstörungen nicht durch eine ausführliche Befragung oder durch ambulant einsetzbare Registrierverfahren eindeutig untersucht und dokumentiert werden können, ist eine Schlaflaboruntersuchung notwendig. In der Regel handelt es sich dabei um Schlafstörungen aus innerer Ursache. Genaue Angaben zu den einzelnen Schlafstörungen sind in den jeweiligen Kapiteln dieses Ratgebers zu finden. Eine ausführliche Beschreibung des diagnostischen Vorgehens sowie der Störungen, bei denen Schlaflaboruntersuchungen erforderlich sind, finden sich in der Leitlinie "Nicht-erholsamer Schlaf" der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin.
Bei der nächtlichen Untersuchung im Schlaflabor wird ein Polysomnogramm erstellt. Hierbei handelt es sich um ein diagnostisches Verfahren zur Messung physiologischer Funktionen im Schlaf. Mit der polysomnographischen Aufzeichnung werden wichtige elektrische und andere Messvariablen erfasst, die Auskunft über die verschiedenen Schlafstadien und mögliche Schlafstörungen geben. Der Schlaf ist kein gleichförmiger Zustand, sondern ein sehr komplexer Prozess. An der Steuerung der komplizierten Vorgänge ist das Gehirn maßgeblich beteiligt. Es beeinflusst die verschiedenen Schlafstadien, die in die Phasen "Übergang vom Wachen zum Schlafen", "Leichtschlaf", "Tiefschlaf" und "Traumschlaf" (REM-Schlaf) eingeteilt sind. Die Registrierung der Hirnaktivität und Körperfunktionen erlaubt es, das jeweilige Schlafstadium zu identifizieren, in dem sich der Schlafende gerade befindet. Während der Schlafuntersuchung werden mit Hilfe von Elektroden, die vor dem Schlafengehen an Kopf und Kinn mit einem hautfreundlichen Spezialklebstoff angebracht werden, folgende Aktivitäten im Schlaf überwacht und registriert: Hirn- und Muskelaktivität, Augenbewegungen, Atmung über Mund und Nase, Schnarchen, Herzfrequenz und Beinbewegungen. Um die Atmungsanstrengung zu messen, werden Gurte mit Dehnungssensoren um Brustkorb und Bauch des Patienten gelegt. Die Herzfrequenz wird mit Elektroden am Brustkorb registriert. Der Sauerstoffgehalt im Blut wird über Sensoren am Zeigefinger oder Ohrläppchen kontrolliert. In manchen Fällen wird zusätzlich eine Videoaufzeichnung erstellt, so dass später eventuelle Verhaltensauffälligkeiten im Schlaf in die Analyse einbezogen werden können. Das medizinisch-technische Personal informiert Sie vorher, falls Ihr Schlaf auch über Videokamera überwacht werden muss. Das Verfahren zur Überwachung und Registrierung des Schlafes ist mit keinerlei Schmerzen verbunden. Die technischen Geräte, die dabei zum Einsatz kommen, sind so konstruiert, dass sie dem Patienten größtmögliche Bequemlichkeit und Bewegungsfreiheit bieten. Falls Sie Komplikationen beim Anlegen der Elektroden befürchten (z. B. weil Sie einen Haarersatz tragen oder aus anderen Gründen), sollten Sie dies mit Ihrem Hausarzt oder dem medizinisch-technischen Personal im Schlaflabor besprechen.
Die Analyse und Interpretation der polysomnographischen Aufzeichnunng bilden den Abschluss eines komplexen Untersuchungsprozesses. Allein mit der Aufzeichnung ist das medizinisch-technische Personal über mehrere Stunden beschäftigt. Später muss das umfangreiche Datenmaterial verarbeitet und ausgewertet werden. Schlafmedizinische Experten bewerten und interpretieren die Ergebnisse der Aufzeichnung, die in der Regel über 800 Seiten mit verschiedenen Kurven bzw. Signalen umfasst (z. B. Hirnkurven, Muskelaktivität und Augenbewegungen). Da es sich hier um ein sehr arbeits- und zeitintensives Verfahren handelt, liegt die Auswertung erst einige Tage nach der nächtlichen Untersuchung vor. Sie werden aber meist darüber informiert, wann Sie mit den Ergebnissen rechnen können.
Die technische Ausrüstung befindet sich in einem separaten Raum, in dem sich auch das schlafmedizinische Personal während der Nacht aufhält. Die Drähte der Elektroden werden hinter Ihrem Kopf in einer Art Pferdeschwanz zusammengeführt oder sie werden in ein kleines Kärtchen eingesteckt, das während der Nacht auf der Brust liegt. So sind Sie in ihrer Bewegungsfreiheit kaum eingeschränkt. Sie können problemlos die Schlaflage wechseln und sich genauso bewegen wie zu Hause im eigenen Bett. An dem Tag, an dem Sie Ihren Termin im Schlaflabor haben, sollten Sie ab 14 Uhr auf koffeinhaltige Getränke wie Kaffee, Tee oder Cola verzichten und tagsüber nicht schlafen. Sie sollten zudem mit frisch gewaschenen und trockenen Haaren ins Schlaflabor kommen und an diesem Tag weder Haarspray, -öl- oder -gel benutzen. Möglicherweise werden Sie die Elektroden auf der Haut zunächst als Fremdkörper empfinden. Die meisten Patienten fühlen sich durch sie jedoch nicht belästigt oder am Einschlafen behindert. Schlafmediziner sind sich natürlich darüber im klaren, dass Ihr Schlaf im Schlaflabor nicht hundertprozentig mit Ihrem Schlaf zu Hause übereinstimmt. Die Aussagekraft und der Informationswert der polysomnographischen Aufzeichnung werden davon jedoch nicht berührt. Für den Aufenthalt im Schlaflabor benötigen Sie das gleiche Gepäck wie für eine normale Übernachtung bei Freunden oder im Hotel. Informieren Sie das medizinisch-technische Personal, falls Sie besondere Bedürfnisse haben, die aus medizinischen oder sonstigen Gründen berücksichtigt werden müssen.
Nach der allgemeinen Einführung können Sie Ihre Nachtkleidung anlegen und sich ganz nach Ihren Gewohnheiten auf das Schlafengehen vorbereiten. Sollten sich Wartezeiten ergeben, bis das medizinisch-technische Personal die Elektroden anlegt, können Sie zwischenzeitlich lesen, fernsehen oder einfach nur entspannen. Informieren Sie das Personal, falls Sie am nächsten Tag einen wichtigen Termin haben oder z. B. um eine bestimmte Uhrzeit an der Arbeit sein müssen. Sie werden dann rechtzeitig geweckt. Während Sie schlafen, werden verschiedene wichtige Körperfunktionen und Aktivitäten registriert. Ein Schlafmediziner überwacht Ihren Schlaf in einem separaten Raum. Die nasale CPAP-Therapie hat sich zur Behandlung von schlafbezogenen Atmungsstörungen am besten bewährt. CPAP-Geräte sind mit einer Atemmaske verbunden, die entweder nur die Nase oder aber Nase und Mund gleichzeitig abdecken. Fragen Sie den behandelnden Arzt oder Schlafmediziner, ob in Ihrem Fall eine CPAP-Therapie in Erwägung gezogen wird. Falls zum Zwecke der Untersuchung die Benutzung eines CPAP-Gerätes notwendig ist, wird die Maske zuvor so angepasst, dass sie gleichzeitig bequem und sicher sitzt. Sie erhalten vor dem Schlafengehen die Gelegenheit, sich mit dem Gerät und dessen Bedienung vertraut zu machen.
Die Menge und Art des Schlafes während der kurzen Nickerchen liefern dem Schlafmediziner wichtige Anhaltspunkte für eine bessere Beurteilung der Schläfrigkeit, der vorliegenden Schlafstörung und der angezeigten Therapiemethoden.
Liste DGSM-akkreditierter Schlaflabore Qualitätsmanagement in der Schlafmedizin - Strukturqualität
Penzel T, Hein H, Rasche K, Weeß HG et al.: Leitfaden für die Akkreditierung von schlafmedizinischen Zentren der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM). Somnologie 4 (2000), 181-178. [Download (PDF, 86 KB)] Fischer J, Raschke F, Kutschmann M: Die Checkliste qualitätsrelevanter Prozessmerkmale für das Peer-Review-Verfahren der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) zur Sicherung der Prozessqualität im akkreditierten Schlaflabor. Somnologie 3 (1999), 335-346. Penzel T, Brandenburg U: Diagnostische Verfahren und Standards in der Schlafmedizin. Internist 37 (1996), 442-453. Peter JH, Köhler D, Knab B, Mayer G, Penzel T, Raschke F, Zulley J (Hrsg.): Weißbuch Schlafmedizin. Regensburg, S. Roderer Verlag 1995. Schramm E, Riemann D: ICSD - Internationale Klassifikation der Schlafstörungen. Weinheim, PVU-Beltz 1995.
Quellenangaben
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Redaktion: Prof. Thomas Penzel
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| Erstellt: 08.06.2000
Letzte Änderung dieser Seite: 18.01.2012 |