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Schlafstörungen bei Kindern und Jugendlichen

Ein Ratgeber für Eltern

Wenn ein Kind an Schlafstörungen leidet, kann die ganze Familie in Mitleidenschaft gezogen werden. Meistens haben die Eltern keine klare Vorstellung, ob Ihr Kind ein normales oder unnormales Schlafmuster aufweist. Dieser Ratgeber soll Ihnen dabei behilflich sein, eventuelle Schlafstörungen Ihres Kindes zu erkennen, und zudem brauchbare Methoden aufzeigen, mit denen Sie Ihrem Kind gesunde Schlafgewohnheiten beibringen können.

Das erste Lebensjahr

Neugeborene schlafen pro Tag durchschnittlich 16 bis 18 Stunden, wobei sich ihr Schlaf auf ca. 5 Schlafepisoden verteilt. Dabei findet der Schlaf nicht zu beliebiger Zeit statt. Schon wenige Tage nach der Geburt schlafen Babys bereits in der Nacht länger als am Tag. Mit zwei Monaten schlafen oder ruhen die Hälfte der Neugeborenen nachts mindestens 5 Stunden, so dass sich der Schlafrhythmus der Eltern wieder etwas normalisieren kann. Mit einem Jahr weisen die meisten Kinder einen Schlaf-/Wachrhythmus auf, der sich durch eine lange, durchgehende Schlafperiode in der Nacht sowie einen kürzeren Schlaf am Morgen und am Nachmittag auszeichnet, wobei der Gesamtschlaf pro Tag 12 bis 14 Stunden beträgt.

Mit folgenden Leitlinien können Sie Ihr Baby dabei unterstützen, einen regelmäßigen Schlaf-/Wachrhythmus zu entwickeln:

  • Legen Sie die Nacht als Zeit des Schlafens und den Tag als Zeit des Wachens fest. Spielen Sie in der Nacht grundsätzlich nicht mit Ihrem Kind.

  • Bringen Sie Ihrem Baby die Verbindung zwischen Bett und Schlafen bei. Legen Sie das Baby zur Schlafenszeit ins Bett. Passen Sie auf, dass das Kind nicht auf dem Sofa im Wohnzimmer oder auf Ihrem Arm einschläft, damit es sich kein falsches Einschlafschema angewöhnt. Geben Sie nicht der Versuchung nach, das Baby mit einem Schnuller oder dem Fläschchen in den Schlaf zu lullen.

  • Das Licht sollte nachts ausgeschaltet oder gedämmt werden.

  • Sehen Sie nach Ihrem Baby, falls es schreit, aber gehen Sie gelassen mit der Situation um. Beruhigen Sie es mit einem Schnuller oder wechseln Sie gegebenenfalls die Windel, ohne das Baby aus dem Bett zu nehmen. Schalten Sie kein helles Licht ein und halten Sie - soweit möglich - störende Geräusche fern.

1. bis 3. Lebensjahr

Im Alter von 1 bis 3 Jahren werden Kinder zunehmend selbständig. Sie lernen laufen, sprechen, alleine zu essen, sich anzuziehen und auf die Toilette zu gehen. Ebenso wichtig ist es, dass sie lernen, zu bestimmten Schlafenszeiten sowie nachts, wenn sie ungewollt aufwachen, selbständig einzuschlafen. Wie beim Laufenlernen sind hierbei die ersten Schritte oft wackelig.

Zu den häufigsten Problemen, über die Eltern Kinderärzten und pädiatrischen Schlafmedizinern berichten, zählen heftiges Weinen und Schreien des Kindes beim Schlafengehen und nächtlichen Erwachen, das Eltern zur Verzweiflung bringen kann. Sie erzählen oft, dass sie "wirklich alles probiert" haben, um dem Kind beim Einschlafen zu helfen. Wenn sie erfahren, dass gerade Versuche der Beruhigung die Probleme oftmals verstärken, sind sie völlig überrascht. So nehmen Eltern z. B. ein schreiendes Kind aus dem Bett, wiegen es im Arm, singen ihm etwas vor, geben ihm etwas zu essen, lesen eine Geschichte vor oder legen es in ihr eigenes Bett. Manche Eltern lassen es auch zu, dass ihr Kind vor dem Fernseher einschläft. All diese Maßnahmen tragen dazu bei, dass das Kind die Gegenwart eines Elternteils zum Einschlafen braucht, anstatt das selbständige Einschlafen zu erlernen.

Wenn Kinder gegen das Schlafengehen protestieren, sollte man sie im wachen Zustand in einem abgedunkelten Raum hinlegen. Manche Kinder benötigen eine Lieblingsdecke oder ein Lieblingsspielzeug zum Einschlafen. Solche Dinge wirken auch beruhigend auf sie, wenn sie nachts aufwachen. Nachdem Sie das Kind hingelegt haben, sollten Sie ihm eine gute Nacht wünschen und den Raum verlassen.

Falls das Kind schreit, sollten Sie nach 5 Minuten wieder hineingehen. Halten Sie sich aber nur kurz auf und nehmen Sie das Kind nicht aus dem Bett. Reden Sie möglichst wenig und verlassen Sie anschließend das Zimmer, auch wenn das Kind weiterhin schreit. Wenn es sich daraufhin immer noch nicht beruhigt, warten Sie weitere 10 Minuten ab, bevor Sie wieder hineingehen. Bleiben Sie auch diesmal nur kurz im Zimmer. Warten Sie bei anhaltendem Schreien nun 15 Minuten und wiederholen Sie die Prozedur. Verlängern Sie die angegebenen Zeiten um jeweils 5 Minuten in den folgenden Nächten. Wenden Sie die Methode auch an, wenn das Kind nachts aufwacht bzw. am Tage schlafen soll. Das Kommen und Gehen der Eltern beruhigt die Kinder und gibt ihnen die Sicherheit, dass die Eltern es nicht verlassen. Im übrigen schadet es nicht der Psyche des Kindes, wenn man es schreien lässt. Für die Eltern bedeutet es aber in der Regel großen Stress.

Sehr hilfreich und nützlich können kleine Schlafrituale sein. Ein Bad, ein ruhiges Spiel oder eine Geschichte können den Übergang vom Wachen zum Schlafen erleichtern und stellen gleichzeitig eine besondere Zeit des Tages dar, die die Eltern mit ihrem Kind gemeinsam verbringen. Es begünstigt die Entwicklung von Kindern, wenn sich Eltern persönlich und direkt mit ihnen beschäftigen. Gemeinsam fernzusehen ist dagegen nur ein schlechter Ersatz. Mit bestimmten Verhaltensmaßnahmen können Eltern ihre Kinder unterstützen, einen friedlichen Übergang vom Wachen zum Schlafen zu finden. Vermeiden Sie alle Aktivitäten, die munter machen, und erzählen Sie dem Kind keine unheimlichen Geschichten vor dem Zubettgehen. Geben sie der Bitte um eine weitere Geschichte oder ein Glas Wasser nicht nach. Gehen Sie Abend für Abend konsequent vor. Kinder akzeptieren Regeln nur, wenn Eltern glaubhaft auf deren Einhaltung bestehen.

Wenn das Kind nicht im Bett liegenbleiben will, können Eltern die Methode mit der geschlossenen Tür anwenden. Erklären Sie dem Kind, dass Sie die Tür schließen werden, wenn es nicht im Bett bleibt. Sperren Sie aber das Kind niemals ein, damit es sich nicht fürchtet. Schließen Sie die Tür zunächst nur für eine Minute und erklären Sie dann noch einmal die Regel: die Tür bleibt offen, wenn das Kind im Bett bleibt. Damit bestimmt das Kind selbst, ob die Tür geschlossen wird oder offenbleibt. Eltern können mit dem Kind durch die geschlossene Tür reden und es auf diese Weise ermutigen.

6. bis 12. Lebensjahr

Im Alter von 6 bis 12 Jahren lassen die typischen Schlafprobleme der frühen Kindheit gewöhnlich nach. Kinder dieses Alters schlafen in der Regel schnell und mühelos ein, haben einen gesunden Schlaf und sind am Tage wach und ausgeschlafen. Wie bei Erwachsenen unterscheidet man auch bei Kindern zwischen zwei unterschiedlichen Typen: es gibt Morgentypen bzw. "Lerchen" und Nachttypen bzw. "Eulen". Die Eigenschaften, die einen Menschen zum Morgen- oder Nachttyp machen, manifestieren sich bereits sehr früh und bleiben ein Leben lang bestehen. Das Hauptproblem liegt in diesem Lebensalter eher in den Schlafenszeiten als im Schlaf selbst. Manche Kinder verschieben gerne die Zeit zum Schlafengehen, um fernzusehen, zu lesen oder Hausaufgaben zu machen. Es gibt keine allgemeingültige, optimale Schlafdauer, d. h. manche Kinder benötigen - ebenso wie Erwachsene - weniger Schlaf als andere.

Es ist falsch, Kinder ins Bett zu schicken, obwohl sie nicht im geringsten müde sind. Ein müdes Kind ist allerdings ein Anlass zur Sorge. Bei unzureichendem Schlaf sind Kinder gereizt und schlecht gelaunt. In der Schule sind sie unkonzentriert oder schlafen im Unterricht ein. Ein erster Schritt zur Besserung stellt die Einführung früherer Schlafenszeiten dar.

Viele Dinge können den Schlaf vorübergehend stören oder beeinträchtigen, wie z. B. ungewohnte Aktivitäten (Campen), Krankheit oder familiäre Ereignisse (Umzug oder Geburt eines Kindes). Auch sehr kleine Kinder erleichtert es sehr, über ihre Sorgen zu reden. Besprechen Sie Probleme oder notwendige Vorbereitungen auf ungewöhnliche Ereignisse stets tagsüber und nicht vor dem Schlafengehen, um diese Zeit von jeglicher Aufregung freizuhalten.

12. bis 20. Lebensjahr

Der Abschnitt zwischen dem 12. und 20. Lebensjahr ist eine Phase raschen Wachstums und rasanter Entwicklungen, die in ihrer Schnelligkeit nur in der Kindheit übertroffen wird. Studien haben belegt, dass Teenager durchschnittlich eine Stunde mehr Schlaf benötigen als in den Jahren davor. Wenn sie so lange schlafen könnten, wie sie wollten, würden sie durchschnittlich ca. 9 Stunden schlafen. Gewöhnlich schlafen Teenager aber ca. 1 bis 2 Stunden weniger. Wegen Schlafmangel dösen sie im Unterricht ein und schlafen am Wochenende sehr lange, um die Schlafdefizite zu kompensieren.

Für die Eltern ist es in der Regel sehr schwer, das Schlafverhalten von Teenagern auf seine Normalität zu beurteilen. Späte Zubettgehzeiten, zu viele Hausaufgaben und Drogen (inkl. Alkohol) können den Schlaf von Teenagern negativ beeinflussen.

Das Symptom der Tagesmüdigkeit

Tagesmüdigkeit bei Kindern und Jugendlichen kann auch ein erstes Symptom von Narkolepsie, Schlafapnoe oder verzögertem Schlafphasensyndrom sein. Sobald Symptome dieser Schlafstörungen auftreten, muss dringend ein Arzt aufgesucht werden. Diese Schlafstörungen können nicht selbst behandelt werden. Die Behandlungsschritte werden mit dem Arzt abgesprochen, sobald eine gesicherte Diagnose vorliegt. Es gibt inzwischen zahlreiche Schlaflabore für Kinder mit Schlafstörungen, die sehr gezielt untersuchen und behandeln können.

Verzögertes Schlafphasensyndrom bei Kindern
Kinder mit verzögertem Schlafphasensyndrom - meistens handelt es sich um Teenager - klagen darüber, dass sie vor 3 oder 5 Uhr morgens nicht einschlafen können und große Mühe haben, rechtzeitig zur Schule aufzustehen. Dadurch ergeben sich auch für die Eltern Probleme, die sich oft darüber beschweren, dass sie ihr Kind jeden Morgen regelrecht aus dem Bett zerren müssen.

Bei vielen Teenagern wirkt eine Radikalkur am Wochenende. Wenn sie Freitag nacht "durchmachen" und den ganzen Samstag wachbleiben, sind sie schließlich so müde, dass sie tatsächlich gegen Mitternacht einschlafen können. Am Sonntag sollten sie dann zu der an Schultagen üblichen Zeit aufstehen. Diese Schlaf-Wachzeiten sollten von nun an regelmäßig - also auch am Wochenende - eingehalten werden.

Narkolepsie
Die Tagesschläfrigkeit von Kindern, die an Narkolepsie leiden, ist mit der von gesunden Kindern nicht zu vergleichen. Narkoleptische Kinder können beim Sprechen, Essen oder sogar auf dem Fahrrad plötzlich einschlafen. Sie erfahren mehrmals am Tag unkontrollierte Schlafattacken, haben beim Einschlafen visuelle Halluzinationen und hören bizarre Töne. Beim Einschlafen und Erwachen kann es zu Bewegungsunfähigkeit und Sprachblockierung kommen. Ein Lachen oder eine Aufregung kann den plötzlichen Verlust des Muskeltonus auslösen. Die Dauer solcher Schlafattacken reicht von wenigen Sekunden bis zu einer halben Stunde.

Im frühen Stadium der Narkolepsie haben Kinder oftmals enorme Schwierigkeiten, morgens aus dem Bett zu kommen. Kurz nach dem Aufstehen sind sie verwirrt, aggressiv und werden leicht ausfallend. Es ist sehr wichtig, Narkolepsie frühzeitig zu erkennen, da Tagesschläfrigkeit die Leistungsfähigkeit in der Schule stark beeinträchtigen kann und Lehrer wie Schüler bei mangelnder Aufklärung die Symptome oft fälschlicherweise als Faulheit und Lustlosigkeit werten. Das Befinden vieler narkoleptischer Kinder lässt sich durch regelmäßige, zeitlich genau festgelegte und kurze Schläfchen zwischendurch sowie durch stimulierende Medikamente entscheidend verbessern.

Schlafapnoe
Kinder, die an Schlafapnoe leiden, schnarchen laut und klagen über morgendliche Kopfschmerzen. In manchen Fällen kommt es auch zu häufigen Entzündungen der oberen Atemwege.

Wenn es nachts laut wird

Es gibt Schlafstörungen, die völlig altersunbabhängig auftreten, bei Kindern aber mit größerer Häufigkeit vorkommen. Dazu zählen:

Schlafwandeln
Ein typisches Verhalten beim Schlafwandeln ist das aufrechte Sitzen im Bett. Es kommt aber auch vor, dass Kinder tatsächlich im Schlaf wandeln und dabei den Eindruck erwecken, als wollten sie "fortgehen". In machen Fällen kommt es auch zu unpassenden Verhaltensweisen, z. B. wenn schlafwandelnde Kinder in einem Schrank urinieren.

Am häufigsten kommt Schlafwandeln bei Kindern im Alter zwischen 4 und 8 Jahren vor. Es tritt gewöhnlich im ersten Drittel der Nacht, also in der tiefsten Schlafphase, auf. Da Kinder in der Regel aus dem Schlafwandeln "herauswachsen", ist eine medikamentöse Behandlung selten notwendig. Allerdings sollten für schlafwandelnde Kinder Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden, um sie vor Unfällen zu schützen. So sollten an den Fenstern Sicherheitsriegel, an Treppen Schranken und an der Tür des Kinderzimmers eine Alarmglocke angebracht werden, damit die Eltern beim Schlafwandeln des Kindes wach werden.

Panikattacken während der Nacht
Wenn Eltern mitten in der Nacht von den gellenden Schreien ihres Kindes geweckt werden, finden sie es oft im Bett aufrecht sitzend vor, mit erhitztem Gesicht und in Schweiß gebadet. Manchmal nimmt das Kind die Beruhigungsversuche der Eltern gar nicht wahr. Wenn es dann aufwacht, ist es verwirrt, desorientiert und kann sich auch an keine "bösen Träume" erinnern. Am nächsten Morgen weiß es gewöhnlich nichts mehr von den Vorgängen in der Nacht. Nächtliche Panikattacken kommen am häufigsten im Alter zwischen 4 und 12 Jahren vor. Wie Schlafwandeln treten sie im ersten Drittel der Nacht auf. Eltern können - außer der Beschwichtigung, dass "alles in Ordnung" ist - wenig dagegen unternehmen. Zum Glück lassen in der Nacht auftretende Panikattacken mit zunehmenden Alter nach.

Alpträume
Kinder erleben in Alpträumen manchmal schauerliche Dinge: sie werden von einem Mann mit einem Messer verfolgt oder von Monstern angegriffen. Alpträume treten gewöhnlich in einer späteren Schlafphase als Panikattacken auf, wenn der Traumschlaf seinen Höhepunkt erreicht. Bei Alpträumen kommt es selten zu Äußerungen wie Reden, Schreien oder Umsichschlagen. Im Alter von 3 bis 6 Jahren treten sie am häufigsten auf und lassen dann wieder nach. Übrigens haben auch die meisten Erwachsenen hin und wieder einen Alptraum.

Bettnässen
Bei jedem dritten Kind im Alter von 4 Jahren tritt noch Bettnässen auf. Schlafmediziner sehen im Bettnässen nur dann eine Störung, wenn es nach dem 5. Lebensjahr anhält. Immerhin tritt Bettnässen bei 10% der 6-jährigen und bei 20% der 10-jähriger Kinder auf.

Beim Bettnässen liegt in den meisten Fällen eine Entwicklungsstörung vor. Obwohl sich Eltern und die betroffenen Kinder verständlicherweise große Sorgen machen, stellt sich das Bettnässen im Laufe der Zeit gewöhnlich von alleine ein. Das heißt natürlich nicht, dass man es ignorieren sollte. Angst und Scham beeinträchtigen oft das Selbstbewusstsein der Kinder, die wegen des Bettnässens nicht bei Freunden übernachten wollen oder sich weigern, an Camping-Freizeiten teilzunehmen. In solchen Fällen sollten Sie einen Arzt, Pädiater oder pädiatrischen Schlafmediziner kontaktieren, um andere medizinische Ursachen auszuschließen und sich über die Methoden zu informieren, wie man die Blase trainieren oder mit Verhaltensstrategien die Probleme besser bewältigen kann.

Nächtliche rhythmische Bewegungsstörungen
Säuglinge und Kleinkinder fallen beim Schlafeintritt manchmal in rhythmische Bewegungen, vermutlich um sich auf diese Weise zu beruhigen. Obwohl Kinder dabei mit Kopf oder Körper gegen die Stangen ihres Gitterbettes oder gegen die Bettwand schlagen - was die Eltern sehr erschreckt -, verletzen sie sich fast nie. Ab dem 4. Lebensjahr nimmt dieses Verhalten wieder ab.

Wann bedarf es professioneller Hilfe?

Sobald der Schlaf dem Kind oder der Familie Probleme bereitet, ist es an der Zeit, einen Arzt aufzusuchen, der es im Bedarfsfall an einen pädiatrischen Schlafmediziner überweist.

Schlafmediziner sind in hohem Maße auf die Beobachtungen der Eltern angewiesen. Bei der Terminvereinbarung für einen Besuch in einem Schlafzentrum werden die Eltern in der Regel gebeten, den Schlaf-/Wachrhythmus des Kindes über 1 bis 2 Wochen schriftlich festzuhalten. Der schlafmedizinische Experte muss wissen, wann das Kind ins Bett geht bzw. aufsteht und welche Ereignisse wie oft und zu welcher Zeit seinen Schlaf stören. Darüberhinaus benötigt er auch Informationen über die Leistungsfähigkeit und Funktionstüchtigkeit des Kindes am Tage.

In einem Schlafzentrum werden zunächst ausführliche körperliche Untersuchungen und psychologische Tests durchgeführt. Im nächsten Schritt werden verschiedene Behandlungsstrategien zur Verbesserung des Schlafs getestet. Die meisten Schlafstörungen lassen sich erfolgreich therapieren, wobei die Behandlungsmethode bei jedem Kind individuell abgestimmt werden muss.

Bei bestimmten Symptomen - wie z. B. lautem Schnarchen oder krampfartigen Anfällen - ist eine Untersuchung im Schlaflabor über 1 oder 2 Nächte erforderlich, wo mit Hilfe von Überwachungssystemen der Schlaf aufgezeichnet und ausgewertet werden kann. Dies ist manchmal die einzige Möglichkeit, um Schlafstörungen zu diagnostizieren.

Zur Aufzeichnung des Schlafes werden dem Kind an Kopf und anderen Körperstellen Sensoren für die Messung von Hirnkurven, Muskelaktivität, Arm- und Beinbewegungen, Herz- und Atmungsfunktion und weiteren Körperfunktionen angelegt. Die Bewegungsfähigkeit des Kindes wird durch die Aufzeichnungsgeräte und technischen Hilfsmittel übrigens kaum beeinträchtigt. Die ausgewerteten Ergebnisse werden anschließend mit den Daten von gleichaltrigen Kindern mit normalem Schlaf verglichen.

In manchen Fällen ist zusätzlich eine Schlafuntersuchung am Tage notwendig, wobei man anhand verschiedener Mittel versucht, das Kind im Abstand von 2 Stunden für kurze Zeit zum Schlafen zu bringen. An der Geschwindigkeit, mit der die Patienten bei dieser Methode - die als Multipler-Schlaf-Latenz-Test bezeichnet wird - einschlafen, lässt sich der Grad der Tagesschläfrigkeit messen.

Wie Kinder gute Schlafgewohnheiten erlernen

  • Legen Sie für Ihr Kind einen festen Zeitplan mit regelmäßigen Schlaf-/Wachzeiten fest und achten Sie auf deren Einhaltung.

  • Führen Sie regelmäßige Schlafrituale zur Förderung der Schlafbereitschaft ein. Für jüngere Kinder eignen sich Gute-Nacht-Geschichten, für ältere regelmäßiges Vorlesen oder ruhige und entspannungsfördernde Beschäftigungen vor dem Schlafengehen.

  • Bringen Sie Ihrem Kind von klein auf bei, im eigenen Bett selbständig einzuschlafen.

  • Auch Eltern benötigen dringend erholsamen Schlaf. Achten Sie darauf, dass Sie selbst ausreichend Schlaf erhalten.

Weitere Informationsquellen

Leitlinie S3 "Nicht erholsamer Schlaf"
der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) online auf der AWMF-Homepage (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften.

Liste DGSM-akkreditierter Schlaflabore

Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie u.a. (Hrsg.): Nicht-organische Schlafstörungen - Leitlinien zur Diagnostik und Therapie von psychischen Störungen im Säuglings-, Kinder- und Jugendalter. Köln, Deutscher Ärzte-Verlag 2000. (AWMF-Leitlinien-Register Nr. 028/012).
http://www.uni-duesseldorf.de/AWMF/ll/kjpp-012.htm

Literaturverzeichnis

Doose H: Epilepsien im Kindes- und Jugendalter. Flensburg, Druckzentrum H. Junge 1998.

Wiater A, Schäfer Th. et al.: Schlafbezogene Atmungsstörungen im Kindesalter. Pädiatrische Praxis 52 (1997), 637-656.

Peter JH, Köhler D, Knab B, Mayer G, Penzel T, Raschke F, Zulley J (Hrsg.): Weißbuch Schlafmedizin. Regensburg, S. Roderer Verlag 1995.

Schramm E, Riemann D: ICSD - Internationale Klassifikation der Schlafstörungen. Weinheim, PVU-Beltz 1995.

Quellenangabe
Der Text wurde aus dem Amerikanischen übersetzt und unter Berücksichtigung der schlafmedizinischen Praxis in Deutschland redaktionell überarbeitet. Die Originalvorlage entstammt der Broschüre:
"Sleep Problems in Children". American Sleep Disorders Association, Rochester, MN, USA, Copyright 1997.

 Redaktion:   Prof. Thomas Penzel            

Inhaltsverzeichnis  Zurück zum Inhaltsverzeichnis Erstellt am: 08.06.2000
Letzte Änderung dieser Seite: 18.01.2012