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Ein Ratgeber für ElternWenn ein Kind an Schlafstörungen leidet, kann die ganze Familie in Mitleidenschaft gezogen werden. Meistens haben die Eltern keine klare Vorstellung, ob Ihr Kind ein normales oder unnormales Schlafmuster aufweist. Dieser Ratgeber soll Ihnen dabei behilflich sein, eventuelle Schlafstörungen Ihres Kindes zu erkennen, und zudem brauchbare Methoden aufzeigen, mit denen Sie Ihrem Kind gesunde Schlafgewohnheiten beibringen können.
Mit folgenden Leitlinien können Sie Ihr Baby dabei unterstützen, einen regelmäßigen Schlaf-/Wachrhythmus zu entwickeln:
Zu den häufigsten Problemen, über die Eltern Kinderärzten und pädiatrischen Schlafmedizinern berichten, zählen heftiges Weinen und Schreien des Kindes beim Schlafengehen und nächtlichen Erwachen, das Eltern zur Verzweiflung bringen kann. Sie erzählen oft, dass sie "wirklich alles probiert" haben, um dem Kind beim Einschlafen zu helfen. Wenn sie erfahren, dass gerade Versuche der Beruhigung die Probleme oftmals verstärken, sind sie völlig überrascht. So nehmen Eltern z. B. ein schreiendes Kind aus dem Bett, wiegen es im Arm, singen ihm etwas vor, geben ihm etwas zu essen, lesen eine Geschichte vor oder legen es in ihr eigenes Bett. Manche Eltern lassen es auch zu, dass ihr Kind vor dem Fernseher einschläft. All diese Maßnahmen tragen dazu bei, dass das Kind die Gegenwart eines Elternteils zum Einschlafen braucht, anstatt das selbständige Einschlafen zu erlernen. Wenn Kinder gegen das Schlafengehen protestieren, sollte man sie im wachen Zustand in einem abgedunkelten Raum hinlegen. Manche Kinder benötigen eine Lieblingsdecke oder ein Lieblingsspielzeug zum Einschlafen. Solche Dinge wirken auch beruhigend auf sie, wenn sie nachts aufwachen. Nachdem Sie das Kind hingelegt haben, sollten Sie ihm eine gute Nacht wünschen und den Raum verlassen. Falls das Kind schreit, sollten Sie nach 5 Minuten wieder hineingehen. Halten Sie sich aber nur kurz auf und nehmen Sie das Kind nicht aus dem Bett. Reden Sie möglichst wenig und verlassen Sie anschließend das Zimmer, auch wenn das Kind weiterhin schreit. Wenn es sich daraufhin immer noch nicht beruhigt, warten Sie weitere 10 Minuten ab, bevor Sie wieder hineingehen. Bleiben Sie auch diesmal nur kurz im Zimmer. Warten Sie bei anhaltendem Schreien nun 15 Minuten und wiederholen Sie die Prozedur. Verlängern Sie die angegebenen Zeiten um jeweils 5 Minuten in den folgenden Nächten. Wenden Sie die Methode auch an, wenn das Kind nachts aufwacht bzw. am Tage schlafen soll. Das Kommen und Gehen der Eltern beruhigt die Kinder und gibt ihnen die Sicherheit, dass die Eltern es nicht verlassen. Im übrigen schadet es nicht der Psyche des Kindes, wenn man es schreien lässt. Für die Eltern bedeutet es aber in der Regel großen Stress. Sehr hilfreich und nützlich können kleine Schlafrituale sein. Ein Bad, ein ruhiges Spiel oder eine Geschichte können den Übergang vom Wachen zum Schlafen erleichtern und stellen gleichzeitig eine besondere Zeit des Tages dar, die die Eltern mit ihrem Kind gemeinsam verbringen. Es begünstigt die Entwicklung von Kindern, wenn sich Eltern persönlich und direkt mit ihnen beschäftigen. Gemeinsam fernzusehen ist dagegen nur ein schlechter Ersatz. Mit bestimmten Verhaltensmaßnahmen können Eltern ihre Kinder unterstützen, einen friedlichen Übergang vom Wachen zum Schlafen zu finden. Vermeiden Sie alle Aktivitäten, die munter machen, und erzählen Sie dem Kind keine unheimlichen Geschichten vor dem Zubettgehen. Geben sie der Bitte um eine weitere Geschichte oder ein Glas Wasser nicht nach. Gehen Sie Abend für Abend konsequent vor. Kinder akzeptieren Regeln nur, wenn Eltern glaubhaft auf deren Einhaltung bestehen. Wenn das Kind nicht im Bett liegenbleiben will, können Eltern die Methode mit der geschlossenen Tür anwenden. Erklären Sie dem Kind, dass Sie die Tür schließen werden, wenn es nicht im Bett bleibt. Sperren Sie aber das Kind niemals ein, damit es sich nicht fürchtet. Schließen Sie die Tür zunächst nur für eine Minute und erklären Sie dann noch einmal die Regel: die Tür bleibt offen, wenn das Kind im Bett bleibt. Damit bestimmt das Kind selbst, ob die Tür geschlossen wird oder offenbleibt. Eltern können mit dem Kind durch die geschlossene Tür reden und es auf diese Weise ermutigen.
Es ist falsch, Kinder ins Bett zu schicken, obwohl sie nicht im geringsten müde sind. Ein müdes Kind ist allerdings ein Anlass zur Sorge. Bei unzureichendem Schlaf sind Kinder gereizt und schlecht gelaunt. In der Schule sind sie unkonzentriert oder schlafen im Unterricht ein. Ein erster Schritt zur Besserung stellt die Einführung früherer Schlafenszeiten dar. Viele Dinge können den Schlaf vorübergehend stören oder beeinträchtigen, wie z. B. ungewohnte Aktivitäten (Campen), Krankheit oder familiäre Ereignisse (Umzug oder Geburt eines Kindes). Auch sehr kleine Kinder erleichtert es sehr, über ihre Sorgen zu reden. Besprechen Sie Probleme oder notwendige Vorbereitungen auf ungewöhnliche Ereignisse stets tagsüber und nicht vor dem Schlafengehen, um diese Zeit von jeglicher Aufregung freizuhalten.
Für die Eltern ist es in der Regel sehr schwer, das Schlafverhalten von Teenagern auf seine Normalität zu beurteilen. Späte Zubettgehzeiten, zu viele Hausaufgaben und Drogen (inkl. Alkohol) können den Schlaf von Teenagern negativ beeinflussen.
Verzögertes Schlafphasensyndrom bei Kindern
Bei vielen Teenagern wirkt eine Radikalkur am Wochenende. Wenn sie Freitag nacht "durchmachen" und den ganzen Samstag wachbleiben, sind sie schließlich so müde, dass sie tatsächlich gegen Mitternacht einschlafen können. Am Sonntag sollten sie dann zu der an Schultagen üblichen Zeit aufstehen. Diese Schlaf-Wachzeiten sollten von nun an regelmäßig - also auch am Wochenende - eingehalten werden. Narkolepsie
Im frühen Stadium der Narkolepsie haben Kinder oftmals enorme Schwierigkeiten, morgens aus dem Bett zu kommen. Kurz nach dem Aufstehen sind sie verwirrt, aggressiv und werden leicht ausfallend. Es ist sehr wichtig, Narkolepsie frühzeitig zu erkennen, da Tagesschläfrigkeit die Leistungsfähigkeit in der Schule stark beeinträchtigen kann und Lehrer wie Schüler bei mangelnder Aufklärung die Symptome oft fälschlicherweise als Faulheit und Lustlosigkeit werten. Das Befinden vieler narkoleptischer Kinder lässt sich durch regelmäßige, zeitlich genau festgelegte und kurze Schläfchen zwischendurch sowie durch stimulierende Medikamente entscheidend verbessern. Schlafapnoe
Schlafwandeln
Am häufigsten kommt Schlafwandeln bei Kindern im Alter zwischen 4 und 8 Jahren vor. Es tritt gewöhnlich im ersten Drittel der Nacht, also in der tiefsten Schlafphase, auf. Da Kinder in der Regel aus dem Schlafwandeln "herauswachsen", ist eine medikamentöse Behandlung selten notwendig. Allerdings sollten für schlafwandelnde Kinder Sicherheitsvorkehrungen getroffen werden, um sie vor Unfällen zu schützen. So sollten an den Fenstern Sicherheitsriegel, an Treppen Schranken und an der Tür des Kinderzimmers eine Alarmglocke angebracht werden, damit die Eltern beim Schlafwandeln des Kindes wach werden. Panikattacken während der Nacht
Alpträume
Bettnässen
Beim Bettnässen liegt in den meisten Fällen eine Entwicklungsstörung vor. Obwohl sich Eltern und die betroffenen Kinder verständlicherweise große Sorgen machen, stellt sich das Bettnässen im Laufe der Zeit gewöhnlich von alleine ein. Das heißt natürlich nicht, dass man es ignorieren sollte. Angst und Scham beeinträchtigen oft das Selbstbewusstsein der Kinder, die wegen des Bettnässens nicht bei Freunden übernachten wollen oder sich weigern, an Camping-Freizeiten teilzunehmen. In solchen Fällen sollten Sie einen Arzt, Pädiater oder pädiatrischen Schlafmediziner kontaktieren, um andere medizinische Ursachen auszuschließen und sich über die Methoden zu informieren, wie man die Blase trainieren oder mit Verhaltensstrategien die Probleme besser bewältigen kann. Nächtliche rhythmische Bewegungsstörungen
Schlafmediziner sind in hohem Maße auf die Beobachtungen der Eltern angewiesen. Bei der Terminvereinbarung für einen Besuch in einem Schlafzentrum werden die Eltern in der Regel gebeten, den Schlaf-/Wachrhythmus des Kindes über 1 bis 2 Wochen schriftlich festzuhalten. Der schlafmedizinische Experte muss wissen, wann das Kind ins Bett geht bzw. aufsteht und welche Ereignisse wie oft und zu welcher Zeit seinen Schlaf stören. Darüberhinaus benötigt er auch Informationen über die Leistungsfähigkeit und Funktionstüchtigkeit des Kindes am Tage. In einem Schlafzentrum werden zunächst ausführliche körperliche Untersuchungen und psychologische Tests durchgeführt. Im nächsten Schritt werden verschiedene Behandlungsstrategien zur Verbesserung des Schlafs getestet. Die meisten Schlafstörungen lassen sich erfolgreich therapieren, wobei die Behandlungsmethode bei jedem Kind individuell abgestimmt werden muss. Bei bestimmten Symptomen - wie z. B. lautem Schnarchen oder krampfartigen Anfällen - ist eine Untersuchung im Schlaflabor über 1 oder 2 Nächte erforderlich, wo mit Hilfe von Überwachungssystemen der Schlaf aufgezeichnet und ausgewertet werden kann. Dies ist manchmal die einzige Möglichkeit, um Schlafstörungen zu diagnostizieren. Zur Aufzeichnung des Schlafes werden dem Kind an Kopf und anderen Körperstellen Sensoren für die Messung von Hirnkurven, Muskelaktivität, Arm- und Beinbewegungen, Herz- und Atmungsfunktion und weiteren Körperfunktionen angelegt. Die Bewegungsfähigkeit des Kindes wird durch die Aufzeichnungsgeräte und technischen Hilfsmittel übrigens kaum beeinträchtigt. Die ausgewerteten Ergebnisse werden anschließend mit den Daten von gleichaltrigen Kindern mit normalem Schlaf verglichen. In manchen Fällen ist zusätzlich eine Schlafuntersuchung am Tage notwendig, wobei man anhand verschiedener Mittel versucht, das Kind im Abstand von 2 Stunden für kurze Zeit zum Schlafen zu bringen. An der Geschwindigkeit, mit der die Patienten bei dieser Methode - die als Multipler-Schlaf-Latenz-Test bezeichnet wird - einschlafen, lässt sich der Grad der Tagesschläfrigkeit messen.
Liste DGSM-akkreditierter Schlaflabore Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie u.a. (Hrsg.): Nicht-organische Schlafstörungen - Leitlinien zur Diagnostik und Therapie von psychischen Störungen im Säuglings-, Kinder- und Jugendalter. Köln, Deutscher Ärzte-Verlag 2000. (AWMF-Leitlinien-Register Nr. 028/012).
Doose H: Epilepsien im Kindes- und Jugendalter. Flensburg, Druckzentrum H. Junge 1998. Wiater A, Schäfer Th. et al.: Schlafbezogene Atmungsstörungen im Kindesalter. Pädiatrische Praxis 52 (1997), 637-656. Peter JH, Köhler D, Knab B, Mayer G, Penzel T, Raschke F, Zulley J (Hrsg.): Weißbuch Schlafmedizin. Regensburg, S. Roderer Verlag 1995. Schramm E, Riemann D: ICSD - Internationale Klassifikation der Schlafstörungen. Weinheim, PVU-Beltz 1995.
Quellenangabe
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Redaktion: Prof. Thomas Penzel
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| Erstellt am: 08.06.2000
Letzte Änderung dieser Seite: 18.01.2012 |