Einführung
Schlaf ist Erholungszeit für den ganzen Körper. Auch das Herz, das Tag und Nacht arbeitet, begibt sich im Schlaf normalerweise in den Ruhezustand. Eingeschränkte Herzfunktionen, die beispielsweise auf Herzerkrankungen zurückgehen, können den Körper seines erholsamen Schlafs berauben. Die Beziehung zwischen Herzfunktion und Schlaf wirkt sich auch wechselseitig aus. So konnte belegt werden, dass schlafbezogene Atmungsstörungen eine bedeutende Rolle bei der Entstehung von Herz- und Gefäßerkrankungen spielen können.
Schlaf und Herz
Es gibt zwei unterschiedliche Formen von Schlaf: den REM-Schlaf (rapid eye movement), auch Traumschlaf genannt, und den Non-REM-Schlaf. Beim Einschlafen fällt man normalerweise in den Non-REM-Schlaf, der gewöhnlich 80% der gesamten Schlafzeit umfasst. Während des Non-REM-Schlafs sinken Herzfrequenz, Atmung und Blutdruck auf niedrigere Werte als im Wachen üblich. Während des REM-Schlafs, der ungefähr 20% der Schlafzeit einnimmt, können sowohl Blutdruck als auch Herzfrequenz stark schwanken. Bei jedem Erwachen, und wenn es noch so kurz ist, steigen Blutdruck und Herzfrequenz an. Und jedes Mal muss das Herz kräftiger arbeiten. Wenn Sie dagegen am Morgen aufwachen, steigen Blutdruck und Herzfrequenz kontinuierlich an und bleiben dann während des ganzen Tages auf höheren Werten.
Schlaf und Herzerkrankungen
Beziehungen zwischen Schlaf, Schlafstörungen und Herzerkrankungen
Obwohl nicht alle Zusammenhänge in allen Aspekten geklärt sind, gibt es zweifellos eine direkte Verbindung zwischen Schlaf, Schlafstörungen und Herzerkrankungen. Mediziner haben bereits ein erhöhtes Risiko für den plötzlichen Herztod in den ersten Stunden nach dem Aufwachen festgestellt, das möglicherweise auf die verstärkte Herztätigkeit zurückzuführen ist, die den Prozess des Erwachens begleitet. Verschiedene Studien haben auch Verbindungen zwischen Atmungsstörungen, erhöhtem Blutdruck und Schlaganfall nachgewiesen. Tatsächlich kann die Behandlung von schlafbezogenen Atmungsstörungen die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten bestimmter kardiovaskulärer Erkrankungen verringern.
Hypertonie (Bluthochdruck)
Mehrere Studien haben einen Zusammenhang zwischen Hypertonie und Obstruktiver Schlafapnoe (OSA), einer Erkrankung mit gestörter Atmung im Schlaf, nachgewiesen. Hypertonie wird nicht nur häufig bei OSA-Patienten angetroffen, sondern es gibt Studien, die zeigen, dass OSA direkt zu Hypertonie führen kann. Bei OSA-Patienten kommt es wiederholt zu Atemaussetzern im Schlaf, die im hinteren Rachenraum verursacht werden, weil er zu eng ist oder sich zeitweise gänzlich verschließt. Jedesmal wenn sich dieser Raum im Rachen verschließt, setzt die Atmung aus und der Sauerstoff wird verbraucht. Nach einer Weile (in der Regel nach 10 bis 20 Sekunden, obwohl auch Episoden bis zu einer Minute nicht selten sind) kommt es in Folge des Atemaussetzens zu kurzem Erwachen. Häufig ist dieses so kurz, dass die Betroffenen die Schlafunterbrechung gar nicht wahrnehmen. Die Weckreaktion löst den Verschluss im Rachenraum auf, so dass die Atmung wieder einsetzt und die Betroffenen erneut einschlafen. Dieser Prozess kann sich ständig wiederholen. Häufig wiederholt er sich in einer Nacht mehrere hundertmal. Der durch das Aussetzen der Atmung bedingte Sauerstoffabfall und der durch die Weckreaktion bedingte Anstieg von Herzfrequenz und Blutdruck belasten das Herz. Dabei kann der nächtliche Anstieg des Blutdrucks auch zu dauerhaft erhöhtem Blutdruck führen, der auch am Tag bestehen bleibt.
Es ist sehr wichtig, Bluthochdruck zu behandeln, da er als Risikofaktor für andere kardiovaskuläre Erkrankungen wie Herzinfarkt, Herzinsuffizienz und Schlaganfall gilt. Eine Behandlung gegen Bluthochdruck reicht allerdings nicht aus, wenn die eigentliche Ursache in einer unerkannten Schlafstörung wie OSA liegt. So kann es zum Beispiel vorkommen, dass Medikationen zur Behandlung von Bluthochdruck nicht die erhoffte Wirkung entfalten, weil OSA unbehandelt bleibt. Bei vielen Patienten mit komplizierten Fällen von Bluthochdruck stellte man später fest, dass sie unter unbehandeltem OSA litten. Die Behandlung von OSA kann sich positiv auf den Bluthochdruck auswirken. Daher ist es sehr wichtig, dass Ihr Arzt alle möglichen Ursachen für Ihren Bluthochdruck, einschließlich Schlafstörungen wie OSA, bei der Untersuchung einbezieht.
Koronare Herzerkrankung
Es gibt eine direkte Verbindung zwischen schlafbezogenen Atmungsstörungen und kardiovaskulären Erkrankungen. So hat sich zum Beispiel gezeigt, dass Menschen mit OSA häufiger unter koronarer Herzerkrankung (KHK) leiden. Dafür kommen mehrere Gründe in Betracht: 1) OSA erhöht das Risiko für Bluthochdruck, der als Ursache für KHK gilt. 2) Die Ereignisse beim Auftreten von OSA können das Herz stark belasten und eine bereits bestehende Erkrankung erheblich verschlechtern. Bei Personen mit KHK ist aufgrund verengter Arterien der Blutfuss limitiert, der dem Herzen Sauerstoff zuführt. Beim Auftreten von OSA fällt also der Sauerstoffgehalt im Blut, während der Blutdruck gleichzeitig steigt, so dass das Herz mehr leisten muss. Das wiederum führt dazu, dass die dem Herzen zugeführte Menge an Sauerstoff sinkt, während das Herz gleichzeitig nach mehr Sauerstoff verlangt. Mehrere Studien haben belegt, dass es dabei zu Veränderungen kommt, die Ischämie und mangelhafte Durchblutung anzeigen, wie in Aufzeichnungen der Apnoen bei Patienten mit KHK im EKG nachgewiesen wurde. Bei Patienten, die einen Herzinfarkt erlitten haben, tritt OSA mit höherer Wahrscheinlichkeit auf und kann die Rekonvaleszenz negativ beeinflussen. Es wurde auch gezeigt, dass OSA das Risiko erhöht, an KHK zu sterben. Wird OSA dagegen erkannt und behandelt, reduziert sich die Gefahr, an Herzerkrankungen zu sterben.
Dekompensierte Herzinsuffizienz
Dekompensierte Herzinsuffizienz tritt auf, wenn das Herz so geschädigt ist, dass es das Blut nicht mehr effektiv pumpen kann. Schlafstörungen und Atmungsstörungen können sowohl Herzinsuffizienz verursachen als auch aus ihr resultieren. Studien haben ergeben, dass OSA ein bedeutender Risikofaktor für die Entstehung von Herzinsuffizienz ist. Darüber hinaus besteht bei Personen, bei denen sie aus anderer Ursache resultiert, wie KHK oder Bluthochdruck, die Gefahr, dass sich die dekompensierte Herzinsuffizienz verschlimmert, wenn die Patienten gleichzeitig unter OSA leiden. Der bereits geschwächte Herzmuskel ist dann nicht mehr in der Lage, die zusätzliche Belastung durch OSA zu bewältigen. Die Behandlung von OSA kann die Herzfunktion bei Patienten mit dekompensierter Herzinsuffizienz in jedem Fall verbessern.
Ca. 40% der Patienten mit dekompensierter Herzinsuffizienz weisen auch eine andere schlafbezogene Atmungsstörung, die sogenannte Zentrale Schlafapnoe (ZSA), auf. Wie bei OSA kommt es auch bei ZSA wiederholt zu Atemaussetzern im Schlaf. Zwar bleibt bei ZSA der Rachenraum offen, aber die Betroffenen hören auf zu atmen. Häufiges Erwachen und abfallender Sauerstoffgehalt treten daher auch bei ZSA auf. Die Weckreaktionen erhöhen die Herzfrequenz und den Blutdruck, was den allgemeinen Zustand bei Herzinsuffizienz verschlechtern kann, so dass sich wiederum die Episoden der ZSA erhöhen. So entsteht ein Teufelskreis, der die Herzfunktion in ihrer Leistung mindert. Ein erster Schritt zur Behandlung von ZSA ist die Vermeidung der Episoden durch sorgfältige Therapie der Herzinsuffizienz. Auch wenn sich die ZSA nicht gänzlich beseitigen lässt, kann sie durch die Behandlung korrigiert werden. Die Behandlung der ZSA kann die Herzfunktion ebenso verbessern wie die Schlafqualität.
Schlaganfall
Während eines Schlaganfalls wird das Gehirn geschädigt, da die Blut- und Sauerstoffversorgung reduziert oder gänzlich unterbrochen wird. Bluthochdruck ist die häufigste Ursache für Schlaganfälle. Und wie bereits erwähnt, kann OSA zur Entstehung von Bluthochdruck beitragen. Allerdings kann OSA auch direkt einen Schlaganfall auslösen, da die Blutzufuhr zum Gehirn reduziert ist und der Sauerstoffgehalt während der Apnoen sinkt.
Abnorme Atmungsmuster im Schlaf, vor allem bei OSA, folgen häufig direkt auf einen Schlaganfall. Andere Auswirkungen von OSA, wie durch Schlafunterbrechungen bedingte übermäßige Tagesschläfrigkeit und eingeschränkte Konzentrationsfähigkeit, können die Genesung nach einem Schlaganfall erschweren.
Die Auswirkung von Herzerkrankungen auf den Schlaf
Wie bereits erörtert, können schlafbezogene Atmungsstörungen direkt zu Herzerkrankungen führen. Umgekehrt können sich - wenn auch subtiler ? Herzerkrankungen ebenfalls auf den Schlaf auswirken. So berichten zum Beispiel Patienten mit dekompensierter Herzinsuffizienz häufig von Ein- und Durchschlafstörungen aufgrund von Kurzatmigkeit, die oft zusammen mit Herzinsuffizienz auftritt. Diese Kurzatmigkeit verschlimmert sich häufig, sobald der Patient liegt, weil dann das Blut in den Beinen zum Herz zurückfließt und dabei seine Fähigkeit, zu pumpen, überfordert werden kann. In der Medizin nennt man diese Symptome Orthopnoe (Kurzatmigkeit im Liegen) und nächtliche paroxysmale Dyspnoe (Erwachen aus dem Schlaf wegen Kurzatmigkeit). Bei Patienten mit diesen Symptomen kann es zu denselben Auswirkungen wie bei Insomnie kommen, da der Schlaf unterbrochen wird. Häufig machen sich Patienten angesichts der Komplikationen, die bei Herzerkrankungen auftreten, Sorgen über Langzeitschäden nach einem Herzinfarkt oder bei chronischer Herzkrankheit. Diese Ängstlichkeit kann direkt chronische Insomnie auslösen. Wenn man all diese Punkte in Betracht zieht und auch die Beziehung zwischen zahlreichen Herzleiden und schlafbezogenen Atmungsstörungen berücksichtigt, wird schnell klar, dass Menschen mit Herzleiden einer speziellen Behandlung und besonderer medizinischer Versorgung bedürfen, um einen guten Schlaf zu gewährleisten.
Guter Schlaf - gesundes Herz
Um das Herz gesund zu halten, kann man selber viel beitragen. Dazu zählen eine gesunde und vollwertige Ernährung, normales Gewicht, regelmäßiger Sport, regelmäßige ärztliche Kontrollen und ausreichender sowie qualitätvoller Schlaf. Wenn Sie ein Herzleiden haben, ist es besonders wichtig, Signale zu beachten, die auf schlafbezogene Atmungsstörungen wie OSA hindeuten, die Ihr Herz zusätzlich belasten könnten. Patienten mit OSA sind häufig übergewichtig und schnarchen laut und unregelmäßig, haben im Schlaf Atemnot wie bei Erstickungsanfällen und schnappen nach Luft. Auch haben sie Probleme, sich tagsüber wach zu halten. Falls Sie bereits an Bluthochdruck oder einer Herzerkrankung leiden (koronare Herzerkrankung, Angina pectoris, Schlaganfall), sollten Sie mit Ihrem Arzt Rücksprache halten, ob Sie gleichzeitig an schlafbezogenen Atmungsstörungen wie OSA oder ZSA leiden könnten. Ebenso wichtig ist es, dass Patienten mit dekompensierter Herzinsuffizienz regelmäßig auf ZSA oder andere Schlafstörungen untersucht werden. Im Gegensatz zu Patienten mit OSA sind Patienten mit ZSA bei gleichzeitiger Herzerkrankung im Allgemeinen dünn und schnarchen gewöhnlich nicht.
Wenn Ihr Arzt vermutet, dass eine Schlafstörung vorliegt, wird er Ihnen eine Schlafuntersuchung als diagnostisches Untersuchungsverfahren empfehlen oder Sie gleich an einen schlafmedizinischen Experten überweisen. Schlafuntersuchungen werden im Allgemeinen zuerst ambulant mit einem tragbaren Aufzeichnungsgerät durchgeführt. Bei Verdacht auf das Vorliegen schlafbezogener Atmungsstörungen folgt eine Untersuchung in einem schlafmedizinischen Labor. Dabei werden kleine Sensoren, sogenannte Elektroden, an Ihrem Körper befestigt, um Schlaf, Atmung, Herzfrequenz und Sauerstoffgehalt zu messen. Schlafmedizinische Experten können genau erkennen, ob Ihre Schlafqualität Abnormalitäten aufweist. Die Ergebnisse werden dann an Ihren Hausarzt weitergeleitet, mit dem Sie gemeinsam die beste Behandlungsmethode besprechen können. Schlafstörungen sind therapierbar und die Therapie kann zu einem gesünderen Herzen beitragen.
Herzleiden in Verbindung mit schlafbezogenen Atmungsstörungen
- Bluthochdruck
- Koronare Herzerkrankung
- Dekompensierte Herzinsuffizienz
- Schlaganfall
Symptome bei Obstruktiver Schlafapnoe (OSA)
- Lautes und unregelmäßiges Schnarchen
- Episoden im Schlaf, in denen die Betroffenen nach Luft schnappen oder erstickungsartige Anfälle erleben
- Nachgewiesene Episoden mit Atemaussetzern im Schlaf
- Übermäßige Schläfrigkeit
- Einschlafen zu unpassender Zeit
- Verkehrsunfälle oder Unfälle am Arbeitsplatz
- Konzentrationsstörungen, Reizbarkeit, Depressionen
- Kopfschmerzen am Morgen
Symptome bei Zentraler Schlafapnoe (ZSA)
- Symptome bei dekompensierter Herzinsuffizienz
- Kurzatmigkeit
- Probleme beim Atmen im Liegen
- Unruhiger Schlaf
- Erwachen wegen Luftnot oder Luftschnappen
- Nachgewiesene Episoden mit Atemaussetzern im Schlaf
- Unerholsamer Schlaf
- Schnarchen tritt gewöhnlich nicht auf
Weitere Informationsquellen
Leitlinie S3 "Nicht erholsamer Schlaf"
der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) online auf der AWMF-Homepage (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften.
Liste DGSM-akkreditierter Schlaflabore
Literaturverzeichnis
Peter JH, Köhler D, Knab B, Mayer G, Penzel T, Raschke F, Zulley J (Hrsg.): Weißbuch Schlafmedizin. Regensburg, S. Roderer Verlag 1995.
Schramm E, Riemann D: ICSD - Internationale Klassifikation der Schlafstörungen. Weinheim, PVU-Beltz 1995.
Quellenangabe
Der Text wurde aus dem Amerikanischen übersetzt und unter Berücksichtigung der
schlafmedizinischen Praxis in Deutschland redaktionell überarbeitet. Die Originalvorlage entstammt der Broschüre:
"Sleep & Heart Disease". American Academy of Sleep Medicine,
Westchester, IL, USA, Copyright 2002. |