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Schlaf im Alter

Altersbedingte Veränderungen des Schlafs

Der Alterungsprozess bringt viele körperliche Veränderungen mit sich, die sich über einen langen Zeitraum langsam entwickeln. So lässt z. B. die Sehkraft allmählich nach und das Haar wird mit der Zeit grau. Ebenso verändert sich der Schlaf im Alter, der - auch bei gutem Gesundheitszustand - fragiler und störanfälliger wird.

Junge Menschen schlafen meistens schnell und mühelos ein und genießen einen erholsamen Schlaf. Im Laufe des Alters wird ein vermeintlich selbstverständlicher Vorgang wie das Schlafen zunehmend problematischer. Ein Autohupen oder das Bellen eines Hundes können bereits genügen, um einen älteren Menschen aus seinem leichten Schlaf zu reißen. Andererseits nicken ältere Menschen auch leicht ein, z. B. beim Fernsehen oder bei der Zeitungslektüre.

Schlafstörungen nehmen im Alter zu und lassen sich manchmal nur schwer von normalen altersbedingten Veränderungen des Schlafs unterscheiden. Permanente Einschlafschwierigkeiten und häufiges Einschlafen am Tage sind allerdings auch im Alter unnormal und weisen auf behandlungsbedürftige Schlafstörungen hin. Da physische und psychische Erkrankungen, bei denen Schmerzen und Depressionen auftreten, oftmals mit Schlafstörungen Hand in Hand gehen, ist die Unterscheidung zwischen Ursache und Wirkung äußerst kompliziert.

Die weit verbreitete Ansicht, ältere Menschen benötigten weniger Schlaf als jüngere, ist falsch. Es entspricht aber den Tatsachen, dass im Alter die Fähigkeit abnimmt, durchgehend und lange zu schlafen. Schlafverluste können ältere Menschen jedoch leichter kompensieren, da sie ihren Tagesablauf im allgemeinen freier bestimmen und am Tage kurze Schläfchen halten können. Nach neuen Forschungsergebnissen entspricht es den natürlichen Bedürfnissen des Körpers, mindestens einen Kurzschlaf am Tag zu halten. Diesen "Luxus" kann man sich erst im Ruhestand gönnen, wenn der Zwang geregelter Arbeitszeiten entfällt.

Während der Anteil des Traumschlafs - auch REM-Schlaf (Rapid Eye Movement) genannt - im Alter gleich bleibt, verkürzt sich der Tiefschlaf deutlich. Im Ausgleich verlängert sich der Leichtschlaf. In der Nacht kommt es zudem häufiger zu Weckreaktionen, sogenannten Arousals. In Studien wurde nachgewiesen, dass bei Personen im Alter von über 60 Jahren nachts bis zu 150 Arousals auftreten können. Junge Menschen weisen dagegen im Durchschnitt 5 Arousals pro Nacht auf. Die Betroffenen können sich zwar an die zahlreichen Weckreaktionen nicht erinnern, fühlen sich aber am nächsten Morgen unausgeschlafen und haben den Eindruck, nachts sehr unruhig geschlafen zu haben.

Die meisten Menschen im Alter über 65 Jahren wachen zudem mindestens einmal pro Nacht wegen eines erhöhten Harndrangs auf. Nach einer amerikanischen Studie aus dem Jahr 1990 leiden über 50% der 65-jährigen und älteren Personen gelegentlich oder regelmäßig an gestörtem Schlaf, wobei sich die meisten Beschwerden auf Ein- und Durchschlafstörungen beziehen.

Der bei älteren Menschen festgestellte übermäßige Gebrauch sowohl verschreibungspflichtiger als auch rezeptfreier Schlafmittel ist besorgniserregend. Dabei haben Studien belegt, dass manche Schlafmittel bei älteren Leuten überhaupt nicht wirken oder Schlafstörungen sogar verstärken können.

Im Laufe des Alters wirkt sich nicht nur die zunehmende Instabilität des Schlafes aus, sondern auch der negative Einfluss chronischer Erkrankungen auf den Schlaf. Dazu zählen Asthma und andere Atemwegserkrankungen sowie Herzerkrankungen und Arthritis. Die Betroffenen wachen nachts wegen Schmerzen, Fieber, Juckreiz oder Husten auf. Auch zahlreiche Medikamente zur Behandlung der genannten Erkrankungen können sich störend auf den Schlaf auswirken. Diese Auswirkungen sollten mit dem Hausarzt besprochen werden, da sich die Schlafqualität oftmals durch zeitliche Verschiebungen bei der Einnahme der Medikamente oder Anpassungen in der Dosierung entscheidend verbessern lässt. Manche Menschen beruhigt es im übrigen auch, Schlaftabletten für den Bedarfsfall zur Verfügung zu haben.

Ein weiteres Problem stellt frühzeitiges Erwachen dar, das sehr unterschiedliche Ursachen haben kann. Auslösende Faktoren können Wirkstoffe in Schlafmitteln, der Genuss von Alkohol vor dem Schlafengehen oder das Alter selber sein.

Einschlafschwierigkeiten, Schlafunterbrechungen und zu frühes Erwachen können auch durch Depressionen verursacht werden, für die man im Alter anfälliger wird. Die Enstehung von Depressionen verläuft manchmal schleichend, d. h. sie werden zunächst kaum wahrgenommen, verstärken sich im Laufe der Zeit und werden schließlich chronisch. Manche Patienten sind allerdings davon überzeugt, dass ihre Depressionen ausschließlich von ihrem schlechten Schlaf herrühren und von alleine abklingen würden, sofern sie normal schlafen könnten.

Zwischen Schlaf und Depressionen besteht eine enge Wechselbeziehung. Anhaltend schlechter Schlaf kann zu Appetitlosigkeit sowie zum Verlust der Antriebskraft und der Lebensfreude führen. Andererseits löst der Verlust eines geliebten Menschen häufig Schlaflosigkeit und Depressionen aus. In Studien wurde festgestellt, dass 75% verwitweter Personen einen Monat nach dem Tod des Ehepartners noch unter Schlafstörungen leiden. Bei der Hälfte bleiben die Schlafprobleme auch nach einem Jahr bestehen.

Die Betroffenen sind meistens außerstande, selbst etwas gegen ihre Depressionen zu unternehmen. In der Regel ergreifen besorgte Familienmitglieder oder Freunde die Initiative und vereinbaren einen Termin beim Arzt. Zum Glück lassen sich Depressionen in den meisten Fällen durch Beratung, psychotherapeutische und medikamentöse Therapie wirksam behandeln. Ist die depressive Phase vorüber, kann die vorherige Lebenszufriedenheit wiederhergestellt werden.

Während einige ältere Menschen den schlechten Schlaf bzw. die Schlaflosigkeit als eigentliche Qual empfinden, leiden andere hauptsächlich unter der schlechten Stimmung und verminderten Leistungsfähigkeit am Tage. Da nicht alle Schlafstörungen deutliche Symptome aufweisen, werden die Probleme häufig nicht rechtzeitig erkannt.

Einschlafstörungen haben manchmal einfach zu beseitigende Ursachen. Die Wiederherstellung eines gesunden Schlafs lässt sich in bestimmten Fällen bereits durch den Verzicht auf Koffein und schwere Mahlzeiten oder durch die Verlegung sportlicher Betätigungen auf frühere Tageszeiten erreichen. Übrigens entstehen Schlafstörungen manchmal auch im Zusammenhang mit Krankenhausaufenthalten, Operationen oder Reisen. Sie können in Zeiten drückender Sorgen wieder ausbrechen oder unter Dauerstress unterschwellig fortwirken.

Manche Menschen nehmen ihre Sorgen sozusagen mit ins Bett. Ihre Gedanken überstürzen sich, sobald sie sich zur Ruhe begeben. In solchen Fällen sollte man eine bestimmte Zeit am Tag für die bewusste Auseinandersetzung mit Problemen und deren Lösungsmöglichkeiten reservieren. Ein "Sorgenstuhl" zum Grübeln kann im EInzelfall helfen. Wenn Sorgen und Probleme aus dem Schlafzimmer verbannt werden, kann man sich besser auf das Schlafen einlassen.

Alltägliche Verpflichtungen geben bestimmte Zeiten des Schlafens und Wachens vor. Ältere Menschen brauchen grundsätzlich länger, um sich einem unregelmäßigen Rhythmus, z. B. wechselnden Arbeitszeiten, anzupassen. Auch die Überwindung eines Jet Lag dauert bei ihnen länger, besonders beim Wechsel mehrerer Zeitzonen.

Ältere Menschen, die ein ruhiges und zurückgezogenes Leben führen, schlafen tagsüber häufig ein. Eine Gallup-Studie von 1988 belegt, dass aktive Menschen im Ruhestand insgesamt weniger Schlafprobleme haben als inaktive Menschen.

Im übrigen sollte der Schlaf grundsätzlich auf die Nacht begrenzt werden. Wer darüberhinaus kurze Nickerchen am Tage abhält, sollte dies stets zur gleichen Zeit und zeitlich begrenzt tun. Nicht immer erkennen Menschen, die unter übermäßiger Tagesmüdigkeit leiden, den Zusammenhang mit ihrem schlechten Schlaf, obwohl sie diesen als unbefriedigend empfinden. Dies macht den Aufklärungsbedarf deutlich, der in der Öffentlichkeit in bezug auf das Thema Schlaf nach wie vor besteht.

Spezifische Schlafstörungen

Schlafapnoe
Hierbei handelt es sich um eine schlafbezogene Atmungsstörung, die sowohl im wachen Zustand als auch im Schlaf Probleme verursachen kann. Schätzungen zufolge leiden bis zu 25% der über 60-jährigen an Schlafunterbrechungen infolge von Schlafapnoe in unterschiedlichem Ausmaß.

In manchen Fällen werden die Lebenspartner der Patienten durch das laute Schnarchen auf die Atmungsstörung aufmerksam. Schnarchen deutet auf eine partielle Blockierung der Atemwege im Schlaf hin. Es nimmt im Alter gewöhnlich zu. Obwohl Schnarchen oft harmlos ist, kann es ein Symptom für ernsthafte gesundheitliche Probleme sein.

Obstruktive Schlafapnoe (OSA)
Diese Schlafstörung erfordert ärztliche Behandlung. Das Schnarchen ist durch lautes unregelmäßiges Schnauben gekennzeichnet. Atemstillstände von 10 Sekunden und länger werden durch Verengungen und Verschlüsse der Atemwege oberhalb des Kehlkopfes ausgelöst. Auf die Atempausen folgen kurze Phasen mit tiefen Atemzügen. Durch die Atmungsstörung kommt es zu kurzen, den Schlaf unterbrechenden Weckreaktionen, an die sich die Betroffenen morgens gewöhnlich nicht erinnern können.

Diese nächtlichen Weckreaktionen können sich derart häufen, dass die Betroffenen am folgenden Tag unter exzessiver Tagesmüdigkeit leiden. Schlafapnoe kann zu Konzentrationsstörungen im Wachzustand und bei Nichtbehandlung sogar zu Bluthochdruck, Herz- und Lungenerkrankungen führen.

In einfachen seltenen Fällen hilft es, auf der Seite zu schlafen oder das Körpergewicht zu reduzieren. In schweren Fällen ist dagegen eine medizinische Behandlung erforderlich. Die effektivste Behandlungsmethode stellt die Überdruckbeatmung CPAP durch nasale Beatmungsmasken dar. Dabei wird durch den Überdruck der Verschluss der oberen Atemwege beseitigt. Manchmal werden auch operative Korrekturen oder Aufbissschienen zur Verbesserung des nasalen Luftstroms angewandt. Eine erfolgreiche Therapie kann die Erholungsfunktion des Schlafes wieder herstellen und führt zu einer Wiederherstellung der Lebensqualität.

Zentrale Schlafapnoe
Bei zentraler Schlafapnoe ist Schnarchen keine zwangsläufige Begleiterscheinung, d. h. Schnarchen kann, muss aber nicht auftreten. Wenn der Atmungsprozess durch das zentrale Nervensystem nicht richtig gesteuert wird, stoßen die Betroffenen im Schlaf häufig Seufzer aus oder weisen eine flache Atmung auf. Morgens können sie sich gelegentlich an die nächtlichen Weckreaktionen erinnern und klagen über einen fragmentierten und zu leichten Schlaf. Zentrale Schlafapnoe findet sich auch häufig bei Patienten mit Herzschwäche. Bei vielen Patienten mit zentraler Schlafapnoe hilft auch die nasale Überdruckbeatmung CPAP, die Atemstillstände zu beseitigen. Zurzeit werden Studien durchgeführt, die klären sollen, bei wem die CPAP-Therapie hilft und bei wem nicht. Wenn die CPAP-Therapie hilft, wird die Schlafstörung beseitigt und die vorherige Lebensqualität kann wiederhergestellt werden.

Syndrom der vorverlagerten Schlafphase
Mit dem Alter entsteht die Tendenz, früh ins Bett zu gehen und früh aufzustehen. Während sich die Mehrheit diesen veränderten körperlichen Bedürfnissen mühelos anpasst, empfinden manche Menschen die Diskrepanz zwischen dem körperlichen Bedürfnis, zeitig schlafen zu gehen - manchmal sogar vor 21 Uhr - und dem persönlichen Wunsch, länger aufzubleiben, als große Belastung. In diesem Fall spricht man vom Syndrom der vorverlagerten Schlafphase.

Menschen, die unter vorverlagertem Schlafphasen-Syndrom leiden, beklagen vor allem die Einschränkung in bezug auf soziale Kontakte. Es frustriert sie, morgens früh wach zu sein, wenn andere noch schlafen, und sich abends nicht wachhalten zu können, wenn andere geselliges Beisammensein genießen. Die meisten Versuche, den Rhythmus zu ändern, bleiben ohne Erfolg. Wenn die Betroffenen beispielsweise bewusst später ins Bett gehen, können sie trotzdem nicht länger schlafen, weil ihre innere Uhr auf frühes Aufstehen eingestellt ist.

Eine wirksame Methode zur Behandlung des Syndroms der vorverlagerten Schlafphase stellt die Therapie mit Tageslicht dar. Dabei setzen sich die Betroffenen in Absprache mit dem Arzt am späten Nachmittag und möglichst auch am frühen Abend bewusst dem Tageslicht aus. Da helles Licht die Steuerung des Schlaf-/Wachrhythmus beeinflusst, kann auf diese Weise sowohl die einsetzende Schläfrigkeit am Abend als auch das Erwachen am Morgen verzögert werden. Bei konsequentem Einhalten dieser Maßnahmen kann die Therapie sehr erfolgreich sein.

Periodische Bewegungen der Gliedmaßen
Vermutlich haben die Hälfte aller über 65-jährigen nachts Zuckungen in den Beinen, in manchen Fällen auch in den Armen. Diese Muskelzuckungen können sowohl sporadisch als auch mit großer Häufigkeit auftreten - z. B. in regelmäßiger Wiederholung ein- bis zweimal pro Minute über 1 bis 2 Stunden. Bei dieser Schlafstörung wachen die Betroffenen in der Regel nicht auf, werden aber in ihrem Schlaf deutlich beeinträchtigt. Bei schwacher Ausprägung empfinden die Betroffenen keine Beeinträchtigung ihres Schlafes oder ihrer Leistungsfähigkeit am Tage. In leichteren Fällen klagen sie über Schlaflosigkeit und unruhigen Schlaf, in schweren Fällen dagegen über ausgeprägte Tagesschläfrigkeit. Bei dieser Störung muss erst das Ausmaß in einem Schlaflabor ermittelt werden. Es gibt heute wirksame Medikamente gegen die Zuckungen im Schlaf. Damit kann die Schlafqualität wieder verbessert werden und die Lebensqualität ebenfalls. Die medikamentöse Therapie hat auch Nebenwirkungen und diese müssen gegenüber den positiven Wirkungen sorgfältig abgewogen werden.

Syndrom der ruhelosen Beine
Das Syndrom der ruhelosen Beine kann sich sowohl im Schlaf als auch im Wachzustand auswirken. Die Patienten empfinden im Sitzen bzw. Liegen ein unangenehmes Kribbeln in den Waden oder Oberschenkeln. Es gibt verschiedene Therapiemöglichkeiten und medikamentöse Behandlungsmethoden, die von einem Arzt eingeleitet und überwacht werden sollten. Zur Diagnose ist keine Schlaflabor-Untersuchung erforderlich.

Abnormes Verhalten im REM-Schlaf
Im REM-Schlaf - auch Traumschlaf genannt - ist der Körper normalerweise bewegungslos. Beim abnormen Verhalten im REM-Schlaf setzen die Betroffenen dagegen ihre Traumerlebnisse regelrecht in Handlungen um. Sie stehen auf, gehen umher oder verrichten unsinnige Tätigkeiten. Da dies im unbewussten Zustand geschieht, unterliegen sie einer großen Verletzungsgefahr: sie fallen über Möbel, brechen durch Fensterscheiben oder stürzen auf der Treppe. Die REM-Schlaf-Verhaltensstörungen sind selten und können teilweise medikamentös behandelt werden.

Da es sich dabei meistens um Männer über 50 Jahre handelt, liegt der Schluss nahe, dass das Alter eine wesentliche Rolle für diese Schlafstörung spielt. Mit dem Medikament Clonazepam kann der Traum-Schlaf verbessert und manchmal auch wieder völlig normalisert werden.

Schlafwandeln und andere Störungen
Ein hoher Prozentsatz von Angehörigen, die sich für die Unterbringung älterer, pflegebedürftiger Familienmitglieder in einem Altersheim entscheiden, sehen sich zu diesem Schritt veranlasst, wenn - neben anderen Faktoren - Schlafwandeln und geistige Verwirrung eintreten. Die Pflegepersonen berichten oft, dass darunter ihr eigener Schlaf wesentlich leidet.

Zwei Drittel der Pflegeheimbewohner leiden an Schlafstörungen. Schlafprobleme nehmen auch beim Aufenthalt in Krankenhäusern zu, wo ältere Menschen oftmals mit Beruhigungsmitteln behandelt werden. Leider steigern solche Medikamente meistens die geistige Verwirrung der Betroffenen und stören zudem den Gleichgewichtssinn, so dass es häufig zu gefährlichen Stürzen kommt. Daher sollten alle medikamentösen Behandlungen in enger Zusammenarbeit mit einem Arzt durchgeführt werden. Und regelmäßig ist die positive Wirkung gegenüber den Nebenwirkungen abzuwägen.

Da viele Schlafstörungen - insbesondere schlafbezogene Atmungsstörungen - wirksam behandelt werden könnten, betonen Schlafmediziner die Notwendigkeit, Hausärzte für Schlafstörungen zu sensibilisieren, die ansonsten bei der Untersuchung älterer Menschen oftmals gar nicht in Betracht gezogen und somit nicht diagnostiziert werden.

Wann ist ärztliche Hilfe erforderlich?

Wenn Schlafprobleme länger als einen Monat andauern und die Leistungsfähigkeit infolge exzessiver Tagesmüdigkeit deutlich sinkt, ist es an der Zeit, den Hausarzt aufzusuchen. Im Bedarfsfall erfolgt eine Überweisung an einen Schlafmediziner, der unter Berücksichtung der Krankheitsgeschichte und anhand von körperlichen Untersuchungen sowie Labortests - wie z. B. Hormonuntersuchungen - Schlafstörungen analysieren und diagnostizieren kann. In der Regel werden Lebenspartner oder andere Familienmitglieder über das Schlaf-/Wachverhalten des Patienten befragt, um ein möglichst vollständiges Bild zu erhalten.

Bei der Vereinbarung eines Termins zur Untersuchung in einem schlafmedizinischen Zentrum wird der Patient oft gebeten, in einem Schlaftagebuch seine Schlaf-/Wachzeiten aufzuzeichnen.

In manchen Fällen ist eine stationäre Überwachung des Schlafs in einem schlafmedizinischen Zentrum erforderlich. Die Überwachung mit Monitor-Systemen, bei der der Patient die Nacht im Schlaflabor verbringt, bietet manchmal die einzige Möglichkeit, während des Schlafs auftretende Schlafstörungen zu identifizieren. Dabei werden dem Patienten an verschiedenen Körperstellen Sensoren angelegt, mit denen Hirnkurven, Muskelaktivität, Arm- und Beinbewegungen, Herz- und Atmungsfunktion und weitere Körperfunktionen im Schlaf gemessen werden. Die Bewegungsfähigkeit des Patienten wird durch die Aufzeichnungsgeräte und technischen Hilfsmittel kaum beeinträchtigt. Unter Umständen muss zusätzlich die Schläfrigkeit am Tage untersucht werden. Bei dieser Untersuchung wird der Patient aufgefordert, tagsüber im Abstand von 2 Stunden kontrolliert im Schlaflabor einzuschlafen. An der Geschwindigkeit, mit der Patienten bei dieser Methode - die als Multipler-Schlaflatenz-Test bezeichnet wird - einschlafen, lässt sich der Grad der Tagesschläfrigkeit feststellen.

Wie hilfreich sind Schlafmittel bei Schlafstörungen?

Mit zunehmenden Alter werden Medikamente langsamer verarbeitet. Da sie länger im Körper verbleiben, hält auch ihre Wirkung länger an. Diese Bedingungen sind beim Gebrauch von Schlafmitteln zu berücksichtigen. Schlafmittel zur Förderung der Schlafbereitschaft, deren Wirkung bis zum nächsten Tag reicht, können zu einem erhöhten Unfallrisiko, insbesondere im Straßenverkehr, führen.

Im Idealfall sollten Schlafmittel die Schlafbereitschaft fördern, nächtliches Aufwachen verhindern und nicht über die Nacht hinaus wirken. Heute gebräuchliche Schlafmittel - in der Regel Benzodiazepine - können in zwei Kategorien unterteilt werden: in jene mit Lang- und jene mit Kurzzeitwirkung. Schlafmittel mit kurzer Wirkungsdauer helfen beim Beginn des Schlafes. Schlafmittel mit langer Wirkungsdauer sorgen für einen durchgängigen Schlaf, verursachen aber manchmal unerwünschte Schläfrigkeit am folgenden Tag. Nur Ärzte sind in der Lage, das richtige Medikament und die richtige Dosierung auf die jeweiligen Bedürfnisse der Patienten abzustimmen. Schlafmittel mit kurzer Wirkungsdauer enthalten gewöhnlich Triazolam und Temazepam. Flurazepam ist dagegen meistens in Schlafmitteln mit langer Wirkungsdauer enthalten.

Inzwischen gibt es Medikamente, die sich besonders für ältere Menschen eignen. Sie fördern zwar die Schlafbereitschaft, aber ihre Wirkung hält nur etwa ein Drittel der nächtlichen Schlafzeit an.

Schlafmittel, die nicht rezeptpflichtig sind, enthalten meistens Antihistamine, die einschläfernd wirken. Auch ihre Wirkung kann bis zum nächsten Tag anhalten, wodurch die Unfallgefahr steigt.

Schlaflosigkeit kann auch ein Anzeichen für schlafbezogene Atmungsstörungen sein. In solchen Fällen ist die Einnahme von Schlafmitteln sogar gefährlich, da sie die Dauer und Häufigkeit von Atemstillständen erhöhen können. Wenn Schlafstörungen mit einer gewissen Regelmäßigkeit auftreten, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Die Behandlungsmöglichkeiten sind gut. Viele Nebenwirkungen sind bekannt und bei einer erfolgreichen Behandlung kann die Lebensqualität wiederhergestellt werden.

Auch ein übermäßiger bzw. falscher Gebrauch von Medikamenten kann gravierende Probleme verursachen, wie der folgende Fall zeigt. Bei der Einlieferung ins Krankenhaus zur Operation an der Gallenblase erklärte eine 81-jährige Frau, dass sie seit Jahren jeden Abend eine Schlaftablette zum Schlafengehen einnehme. Es stellte sich heraus, dass sie Schlafengehen sozusagen mit Tabletteneinnahme gleichsetzte. Der behandelnde Arzt stellte sie auf andere Medikamente ein, die schwächer wirkten als ihr gewohntes Schlafmittel. Als sie nach Hause entlassen wurde, war sie gereizt und unausgeglichen, worauf ihr ein anderer Arzt wiederum ein stärkeres Beruhigungsmittel verschrieb. Da sie aus langjähriger Gewohnheit jeden Abend einen Wodka Martini trank, löste das Beruhigungsmittel bei ihr Verwirrung, Vergesslichkeit und Depressionen aus. Als der Arzt erkannte, dass das Problem möglicherweise durch die Kombination mit der Medikation hervorgerufen wurde, setzte er diese ab. Daraufhin erholte sich die alte Dame schnell und fand zu ihrem ursprünglich aufgeweckten Wesen zurück.

Weitere Informationsquellen

Leitlinie S3 "Nicht erholsamer Schlaf"
der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin (DGSM) online auf der AWMF-Homepage (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften.

Liste DGSM-akkreditierter Schlaflabore

Literaturverzeichnis

Peter JH, Köhler D, Knab B, Mayer G, Penzel T, Raschke F, Zulley J (Hrsg.): Weißbuch Schlafmedizin. Regensburg, S. Roderer Verlag 1995.

Schramm E, Riemann D: ICSD - Internationale Klassifikation der Schlafstörungen. Weinheim, PVU-Beltz 1995.

Cassel W: Schlafstörungen im Alter. Ärztliches Journal 18 (1994), 8-14.

Urbigkeit A: Im Alter ist die Architektur des Schlafes verändert. Forschung und Praxis der Ärzte Zeitung 167 (1993), 18-20.

Quellenangabe
Der Text wurde aus dem Amerikanischen übersetzt und unter Berücksichtigung der schlafmedizinischen Praxis in Deutschland redaktionell überarbeitet. Die Originalvorlage entstammt der Broschüre:
"Sleep as We Grow Older". American Sleep Disorders Association Rochester, MN, USA, Copyright 1997.

 Redaktion:   Prof. Thomas Penzel            

Inhaltsverzeichnis  Zurück zum Inhaltsverzeichnis Erstellt am: 08.06.2000
Letzte Änderung dieser Seite: 18.01.2012