Autoren: Zieren, Braumann, Neuss, Wenger
Wo befinden sich die Nebenschilddrüsen und welche Funktion haben sie?
Die vier Nebenschilddrüsen (Epithelkörperchen) befinden sich hinter der Schilddrüse oder in
seltenen Fällen auch an der Thymusdrüse hinter dem Brustbein.
Die nur linsengroßen Organe produzieren ein Hormon (Parathormon) welches in die Blutbahn
gelangt.
Es setzt aus den Knochen Kalzium frei und erhöht die Wiederaufnahme von
Kalzium in den Nieren und regelt dadurch den Kalziumstoffwechsel.
Welche Erkrankungen gibt es und wie äußern sie sich?
Die häufigsten Ursachen für Erkrankungen sind gutartige Vergrößerungen der
Nebenschilddrüsen. Meist ist nur eines der vier Epithelkörperchen vergrößert (75%).
In 10-15% sind jedoch alle Nebenschilddrüsen vergrößert. Bei vergrößerten Nebenschilddrüsen
wird zuviel Parathormon gebildet, was im Blut zu einem erhöhten Kalziumspiegel führt.
Die Patienten fühlen sich müde und abgespannt. Bei vermehrtem Knochenabbau kommt es zu Gelenkschmerzen,
und Magengeschwüren, welche Nierensteinbildung hervorrufen können. Bei fortgeschrittener Erkrankung werden sogar
Knochenabbau mit vermehrter Knochenbruchneigung beobachtet.
Sehr selten sind bösartige Neubildungen für vergrößerte Epithelkörperchen verantwortlich (1%).
Bei unauffälligen Epithelkörperchen und erhöhten Kalzium- und Parathormonspiegeln müssen
zusätzlich andere bösartige Tumoren ausgeschlossen werden.
Wie können Erkrankungen der Nebenschilddrüsen erkannt werden?
Der Arzt untersucht den Patienten und entnimmt Blut zur Bestimmung des Kalzium- und
Parathomonspiegels.
Zur Sicherung der Diagnose sind zusätzliche Untersuchungen
notwendig: eine Hals-Nasen-Ohren und eine urologische Untersuchung.
Röntgenaufnahmen des Brustkorbes können Lungenerkrankungen ausschließen und eine
Handaufnahme stellt den Kalziumgehalt oder -verlust des Knochens fest.
Eine Ultraschalluntersuchung schließt begleitende Erkrankungen des Bauchraumes aus und
kann am Hals die Lage der Epithelkörperchen feststellen.
Meist findet der Arzt einen erhöhten Kalzium- und Parathormongehalt des Blutes.
Manchmal treten Nierensteine als erstes Zeichen der Erkrankung auf oder es findet sich ein Knochenschwund.
Sind Nierenerkrankungen die Ursache der erhöhten Parathormonproduktion, sind meist alle vier
Epithelkörperchen vergrößert. Der Patient wird zuerst zum Spezialisten (Internisten)
überwiesen.
Wie können Erkrankungen der Nebenschilddrüsen behandelt werden?
Der Internist kann mit Medikamenten den Kalziumstoffwechsel behandeln.
Kommt es dennoch zu erhöhten Parathormon- und Kalziumspiegeln oder zum Knochenschwund, ist
eine Operation notwendig. Die Operation hat als Ziel, die vergrößerten Epithelkörperchen zu
entfernen und damit einen regelrechten Kalziumhaushalt zu gewährleisten.
Ist nur ein Epithelkörperchen vergrößert, wird es entfernt und unter dem Mikroskop auf Gutartigkeit
untersucht. Häufig müssen bei einer Nierenerkrankung alle Epithelkörperchen entfernt
werden. Oft ist für die Operation nur ein kleiner Hautschnitt am
Übergang vom Brustbein zum Hals nötig, so dass eine Vollnarkose nicht zwingend
erforderlich ist und die Patienten während der Operation sogar wach bleiben können.
Das hat den Vorteil, dass auch schwerkranke Patienten ohne großes Narkoserisiko geheilt werden können.
Wenn die Epithelkörperchen jedoch hinter
dem Brustbein liegen, muss das Brustbein in einer größeren Operation eröffnet werden.
Welche Risiken birgt eine Operation?
Die Nebenschilddrüsen liegen im Hals hinter der Schilddrüse dicht neben Nerven und
Gefäßen. Trotz größter Sorgfalt kann es, zum Beispiel bei stark vergrößerten
Epithelkörperchen, zu Blutungen kommen.
Wenn ein Stimmlippennerv verletzt wurde, ist der Patient meist etwas heiser.
Sind jedoch beide Nerven geschädigt, so kann ein
Luftröhrenschnitt notwendig werden.
Sinkt das Kalzium im Blut nach der Operation zu stark
ab, kann es zu Krämpfen kommen, die eine medikamentöse Behandlung erfordern.
Wenn nicht alle Nebenschilddrüsen entfernt werden, kann eine erneute Operation notwendig
werden.
Der Hautschnitt für die Operation ist am Übergang vom Hals zum Brustbein und heilt in
der Regel gut ab. Manchmal kommt es jedoch zu schmerzhafter und vermehrter
Narbenbildung.
Weitere bedeutsame oder seltene Risiken wird Ihnen der Stationsarzt erklären.
Wie lange ist ein Krankenhausaufenthalt nötig?
Sind die notwendigen Untersuchungen für die Operation bereits ambulant abgeschlossen,
ist der Eingriff am Folgetag möglich.
Vor der Operation wird durch eine Ultraschalluntersuchung des Halses die Lage der Epithelkörperchen
markiert. Dies ermöglicht dem Operateur einen
gezielten Hautschnitt und ein sicheres Auffinden der Nebenschilddrüsen.
Bei unauffälligem Verlauf und regelrechten Kalziumblutwerten können sie die Klinik
wenige Tage nach der Operation verlassen.
Ist eine Nachbehandlung notwendig?
Nach der Operation kann der Patient am selben Nachmittag wieder trinken und essen.
Wird nur ein Epithelkörperchen entfernt, so ist meist keine Nachbehandlung erforderlich.
Werden jedoch alle Nebenschilddrüsen entfernt, kann die Einnahme von Kalzium- und Vitamin D
Tabletten notwendig werden.
Wer ist der Ansprechpartner für Patienten mit einer Nebenschilddrüsenvergößerung?
Für Patienten mit Erkrankungen der Nebenschilddrüse besteht eine Sprechstunde in der
chirurgischen Poliklinik täglich von 8.00-15.00 Uhr.
Eine Terminvereinbarung ist im Interesse kurzer Wartezeiten empfohlen und kann unter der
Telefonnummer 030-450522012 erfolgen.
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