Autoren: Schwenk, Junghans, Haase, Pollmann
Was ist eine Divertikulitis, was sind die Ursachen?
Divertikel sind sehr dünne und kleine Ausstülpungen der Darmwand, die sich nicht aktiv
entleeren können wie der übrige Darm. Die Divertikel bestehen nicht von Geburt an sondern
entwickeln sich im Laufe des Lebens mit zunehmendem Lebensalter und mit ganz
unterschiedlicher Ausprägung und Anzahl. Es ist bekannt, dass Menschen in den
Industrienationen im Vergleich zu Menschen in Entwicklungsländern häufiger Divertikel
ausbilden und daran erkranken. Man vermutet eine Ursache in der Ernährung, die in
Industrieländern erheblich weniger Ballststoffe enthält. Gehäuft treten Divertikel vor allem im
S-förmigen Dickdarm auf. Das bloße Vorhandensein von Divertikeln ohne Beschwerden hat
aber keinen Krankheitswert.
Als Folge der fehlenden aktiven Entleerungsfunktion dieser Ausstülpungen können
Kotverstopfungen in den Divertikeln entstehen. Dadurch können sich Entzündungen ausbilden,
indem Bakterien in die Darmwand eindringen. Diese Entzündung (Divertikulitis) kann immer
wiederkehren, jedoch ist derzeit nicht klar, welche Auslöser dafür in Frage kommen. Die
Entzündungen können in ganz unterschiedlicher Stärke ausgeprägt sein.
Was sind typische Krankheitszeichen der Divertikulitis?
Das häufigste Symptom ist ein Schmerz im linken Unterbauch. Wenn der S-förmige Darm
entzündet ist, schwillt die Darmschleimhaut an und verengt die Darmpassage. So können
Stuhlentleerungsstörungen auftreten, die sich manchmal als eine längere Zeit
anhaltende auffallende Verstopfung, aber auch als Durchfälle, Blähungen oder vermehrte
Windabgänge bemerkbar machen können.
Immer wiederkehrende Entzündungen können zu
größeren Eiteransammlungen (Abszessen) im kleinen Becken führen.
Seltener kommt es bei länger anhaltenden Entzündungen zu einer Verbindung zwischen dem Dickdarm und der
Harnblase. Das kann sich darin bemerkbar machen, dass unwillkürlich Luft aus der Harnröhre
entweicht und häufige Harnwegsinfekte auftreten.
Der gefährlichste Verlauf der Entzündung
ist der Darmdurchbruch mit einer nachfolgenden Bauchfellentzündung. Gefahr droht, wenn die
Schmerzen trotz Behandlung nicht nachlassen, wenn zusätzlich Fieber auftritt und der Bauch
hart wird. Dann sollte umgehend ein Krankenhaus aufgesucht werden.
Welche Untersuchungen sind zur Diagnosestellung bei einer Divertikulitis erforderlich?
Bei akuten Beschwerden ist die fachkundige Untersuchung durch einen erfahrenen Arzt wegweisend.
Die Diagnostik wird dann durch eine Blutentnahme, eine Ultraschalluntersuchung
und eine Röntgenaufnahme des Bauches komplettiert.
Wenn keine sofortige Notfalloperation
notwendig ist, bleibt Zeit, um eine Computertomographie des Bauches und kleinen Beckens
anzufertigen, die die Diagnose und das Ausmaß der Entzündung sichert. Eine weitere
wesentliche Untersuchung zur Stellung der Diagnose und zur Planung der Behandlung bei
chronischen immer wiederkehrenden Divertikelerkrankungen ist eine Röntgenuntersuchung
nach Gabe eines Kontrastmitteleinlaufs (Kolon-Kontrasteinlauf). Vor geplanten Operationen ist
zudem eine Spiegelung des Mastdarms (Rektoskopie) durch einen Chirurgen erforderlich.
Ein Großteil dieser Untersuchungen kann ambulant durchgeführt werden.
Wenn die schriftlichen
Befundberichte oder Röntgenbilder mitgebracht werden, müssen diese Untersuchungen
selbstverständlich nicht wiederholt werden.
Welches Ziel hat die chirurgische Behandlung und welche Operation wird durchgeführt?
Im Vordergrund sämtlicher therapeutischer Bemühungen steht das Ziel, die Entzündung
einzudämmen und eine Notfalloperation zu vermeiden. Das geschieht, wenn keine
zwingenden Gründe für eine Operation vorliegen, durch eine vorübergehende Ernährung mit
Hilfe von Tropfinfusionen und die Gabe von Antibiotika. Eine Operation sollte möglichst nach
Abklingen der akuten Beschwerden durchgeführt werden. Das Ziel der operativen Therapie ist
die Entfernung des erkrankten Darmabschnittes, nicht aber des gesamten Dickdarms. Der
entfernte Darmabschnitt ist etwa 25 cm lang. Die Ausdehnung der Resektion wird mit jedem
Patienten vor der Operation ausführlich besprochen. Die beiden verbliebenen Darmenden
werden nach Entfernung des befallenen Darmabschnittes durch eine Naht miteinander
verbunden. Die Operation wird in der Regel in der minimal-invasiven Technik
unter videoendoskopischer Kontrolle über mehrere kleinere Schnitte durchgeführt.
Siehe auch: Operieren durchs Schlüsselloch, was ist minimalinvasive Chirurgie?
Bei fehlender Übersichtlichkeit
oder einem großen Befund sollte der erkrankte Darmabschnitt durch einen etwa 20 cm langen
senkrechten Hautschnitt in der Mitte des Bauches entfernt werden. Welche Operationstechnik
sinnvoll ist entscheidet der Chirurg gemeinsam mit jedem einzelnen Patienten individuell.
Die Operation dauert zwischen 1 und 3 Stunden. Nur bei komplizierten Notfalleingriffen ist in der
Regel ein künstlicher Darmausgang erforderlich.
Was ist zur Operationsvorbereitung erforderlich?
Voraussetzung für eine komplikationslose Heilung nach einer Dickdarmresektion ist eine
sorgfältige Vorbereitung des Patienten.
Dazu gehört neben allgemeinen Maßnahmen zur
Verbesserung der Herz- und Lungenfunktion (Verzicht auf Zigarettenrauchen, Atemübungen
mit dem speziellen Atemtrainer, Treppensteigen) vor allem die vollständige Stuhlentleerung aus
dem Dickdarm. Dies geschieht spätestens am Vortag vor der Operation mit Hilfe einer
besonderen Trinklösung.
Außerdem wird die Bauchhaut mit Hilfe einer Creme von Haaren befreit.
Welche Komplikationen sind nach einer Darmresektion möglich?
Alle möglichen Komplikationen und das Risiko, dass sie auftreten, werden mit dem Patienten
vor der Operation ausführlich besprochen.
Über den unmittelbaren Erfolg der Operation
entscheidet, ob die Naht der beiden verbliebenen Darmenden (Anastomose) problemlos
verheilt. Eine seltene Fehlheilung dieser Darmnaht kann zum Austritt von
bakterienbesiedeltem Stuhlgang in die Bauchhöhle und so zu einer Bauchfellentzündung
führen. Eine derartige Bauchfellentzündung kann lebensbedrohliche Folgen haben.
Aus diesem Grund ist die Herstellung der Darmnaht ein hoch standardisierter und mit äußerster
Präzision durchgeführter Teil der Operation. Der Bruch der Darmnaht ist glücklicherweise sehr
selten. Da auch bei der Operation an einem sehr gut gereinigten Darm immer noch Bakterien
in die Bauchhöhle gelangen, achten die Stationsärzte nach der Operation besonders auf die
Zeichen einer Wundinfektion. Weitere Komplikationen, die bei jedem Eingriff an einem Organ
der Bauchhöhle auftreten können, sind Nachblutungen, Verletzungen von Nachbarorganen,
Darmabknickungen und Verwachsungen.
Siehe auch:
Welche allgemeinen Risiken und Komplikationen haben operative Eingriffe generell?
Gibt es spezielle Techniken, die in unserer Klinik angeboten werden?
Bei geeigneten Patienten kann eine Dickdarmresektion
unter videoendoskopischer Sicht durch 2-12 mm kleine Inzisionen unter videoendoskopischer Kontrolle
durchgeführt werden.
Siehe auch: Operieren durchs Schlüsselloch, was ist minimalinvasive Chirurgie?
Ob die Anwendung der minimalinvasiven Technik sinnvoll ist, entscheidet der behandelnde Chirurg nach Rücksprache mit
jedem Patienten individuell.
Wie verläuft die Nachbehandlung, wie lange dauert der Krankenhausaufenthalt?
Nach der Operation werden die meisten Patienten auf der chirurgischen Intensivstation
der Charité betreut (siehe auch: Abläufe auf der Intensivstation).
Noch im Operationssaal oder auf der Intensivstation wird der Schlauch, der vom Narkosearzt zur
künstlichen Beatmung während der Operation eingeführt wurde, entfernt.
Weitere Schläuche dienen zur Ableitung von
Wundsekret aus dem Bauchraum (Drainagen), verhindern das postoperative Erbrechen
(Magensonde) und dienen zur Ableitung von Urin aus der Blase (Urinkatheter). Diese
Schläuche bereiten keine Schmerzen und werden nach der Operation so rasch wie möglich
entfernt.
In Abhängigkeit vom intraoperativen Befund wird der Patient am nächsten Tag auf
seine Station verlegt. Er darf bereits Tee trinken und nach Rücksprache mit dem Operateur
auch Suppe zu sich nehmen. Der Flüssigkeitshaushalt wird durch Infusionen ausgeglichen.
Um Schmerzen nach dem Eingriff zu vermeiden, erhält jeder Patient eine spezielle adaptierte
Schmerztherapie.
Wichtig ist in dieser Phase die aktive Teilnahme des Patienten am Genesungsprozess.
Jeder Patient sollte sich so viel wie möglich außerhalb des Bettes
aufhalten, d. h. im Stuhl sitzen und umherlaufen. Zur Vermeidung einer Thrombose oder
Embolie werden Kompressionsstrümpfe und Heparininjektionen erforderlich.
Die Hautnaht kann in der Regel nach 7-9 Tagen entfernt werden.
Dies wird bei einigen Patienten auch durch die chirurgische Poliklinik der Charité
oder einen niedergelassenen Kollegen durchgeführt, da die Entlassung
bei einem optimalen Verlauf bereits nach 6-7 Tagen erfolgen kann.
Welche Nachbehandlung ist erforderlich?
Die feingewebliche Untersuchung des entnommenen Darmabschnittes im Institut für
Pathologie der Charité dauert etwa 1 Woche.
In der Regel ist keine weitere Nachbehandlung erforderlich.
Nur in sehr seltenen Fällen kann die Erkrankung wiederkehren. Zur Vermeidung
erneuter Erkrankungsschübe wird eine ballaststoffreiche Diät empfohlen.
Eine spezielle Nachbehandlung der Wunde ist in der Regel nicht erforderlich.
Siehe auch: Operationsnarben - Heilung und Pflege
Auf Wunsch kann für jeden Patienten mit einer solchen Erkrankung über den
Sozialdienst der Charité ein Kurantrag gestellt werden.
Wer ist der Ansprechpartner für Patienten mit einer Dickdarmerkrankung?
Für Patienten mit Erkrankungen des Dickdarmes besteht eine Spezialsprechstunde, die
sogenannte koloproktologische Sprechstunde. Diese findet in der chirurgischen Poliklinik an
jedem Mittwoch von 9.00-14.00 Uhr statt. Eine Terminvereinbarung ist aufgrund des großen
Andranges unbedingt erforderlich und erfolgt unter der Telefonnummer 030-450522012.
Dringliche Fälle oder Notfälle werden täglich in der chirurgischen
Poliklinik (Mo-Fr 8.00-15.00 Uhr) oder in der Rettungsstelle der Charité
(24 Stunden täglich) betreut.
Sollten Sie oder Ihr Hausarzt spezielle Fragen haben, aber die Sprechstunde
nicht besuchen können wenden Sie sich per E-Mail an Herrn
Privatdozent Dr. med. W. Schwenk.
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