Chirurgie der Speiseröhre
Indikation
Bevor die Entscheidung gefällt wird, die Speiseröhre zu entfernen, muß zunächst die Diagnose durch eine feingewebliche Untersuchung gesichert werden. Die Probe dazu wird bei der Endoskopie entnommen. Weitere Untersuchungen klären das Ausmaß des Tumors in die Wandschichten mit Vorliegen von möglichen Lymphknotenmetastasen sowie das Einwachsen in Nachbarorgane wie Trachea (Luftröhre), Aorta, Herzbeutel u.a.
Schließlich ist der Allgemeinzustand der Patienten ein wichtiger Faktor. Bei Vorliegen schwerer Lungen- oder Herzerkrankungen kann das Risiko einer Operation zu hoch sein, was daher vor der Behandlung sorgfältig untersucht wird (s.u.).
Wenn die erforderlichen Untersuchungsergebnisse vorliegen, wird zusammen mit dem Patienten und den verschiedenen Fachdisziplinen wie Onkologie, Gastroenterologie und Strahlentherapie besprochen, welche Therapiemaßnahmen bei dem betroffenen Patienten angewendet werden sollten (siehe unten bei „Therapie“).
Verschiedene Einteilungen sind gebräuchlich, um die Tumorlokalisation und den Tumortyp zu beschreiben.
Anatomisch
Man unterscheidet hier noch zwischen suprabifurkal und infrabifurkal, je nach dem, ob sich der Tumor oberhalb oder unterhalb der Aufzweigung der Luftröhre befindet. (Abb. 1) (ca. 20 - 37 cm ab Zahnreihe).

Abbildung_1: Anatomische Beziehung des Ösophagus zur Trachea und Aorta.
Histologisch
Plattenepithelkarzinom
Adenokarzinom
In den USA sind Plattenepithelkarzinome und Adenokarzinome mit je etwa 50% gleichmäßig verteilt. In Deutschland ist das Verhältnis Plattenepithel- zu Adenokarzinomen etwa 70 zu 30 (Abb. 2). Die Inzidenz der Adenokarzinome steigt im Verlauf kontinuierlich an.
Plattenepithelkarzinome entstehen in normaler Ösophagusschleimhaut und werden insbesondere durch Alkoholzufuhr und Rauchen verursacht.
Adenokarzinome entstehen auf dem Boden einer veränderten Schleimhaut nach chronischen Rückfluß von Magensäure. Dieser Säurereiz führt zu einer Veränderung der Schleimhaut, die sich Barrett-Ösophagus nennt. Wenn die Zellen nun weiter durch die Magensäure geschädigt werden, entsteht schließlich das Adenokarzinom.

Abbildung_2: Verhältnis der Neuerkrankungen von Plattenepithel- zu Adenokarzinomen in Deutschland.
Kardiakarzinom ( = Tumor am Übergang vom Ösophagus zum Magen)
Diese Tumoren nehmen eine Sonderstellung ein, da sie auch bei vorwiegendem Wachstum im Ösophagus biologisch und histologisch dem Magenkarzinom gleichen. Die Einteilung nach Siewert hilft, diese Tumoren dem Ösophagus oder dem Magen zuzuordnen und somit die richtigen Therapie auszuwählen. Die Tumoren haben Kontakt zur Kardia, wachsen nach oben oder unten und werden je nach Tumorzentrum unterteilt in Typ I, II oder III (Abb. 3): Bei Typ I handelt es sich um ein distales Ösophaguskarzinom, das durch eine Ösophagusresektion behandelt wird. Typ II und II gehören zu den Magenkarzinomen, die im Abschnitt “Magenkarzinome” unserer Homepage erläutert werden.
Abbildung_3: Einteilung der Kardiakarzinome nach Siewert.
Tumorstadium ( T-Stadium )
Das T-Stadium beschreibt die Eindringtiefe in die Wand des Ösophagus oder der Nachbarorgane. Eine korrekte Stadieneinteilung ist Voraussetzung für eine optimale Behandlung. Abbildung 4 zeigt schematisch die T-Stadien.
Primärtumor
TX
T0
Submucosa (T1b: Submukosatyp)
T1
T2
T3
T4

Abbildung_4: T-Klassifikation der Ösophagustumoren.
Regionale Lymphknoten
N bezeichnet die Beteiligung der regionalen Lymphknoten, die entweder befallen oder tumorfrei sein können.
NX
N0
N1
Fernmetastasen
Fernmetastasen werden durch den Zusatz M gekennzeichnet.
MX
M0
M1

