Chirurgie der Schilddrüse
Ergebnisse
Das wichtigste Ziel der Schilddrüsenoperation ist die vollständige Entfernung allen erkrankten Schilddrüsengewebes, da bei verbleibenden Knoten oder bei Belassung eines zu großen Schilddrüsenrestes in bis zu 40% der Fälle das Risiko einer erneuten Schilddrüsenvergrößerung besteht. Zur Vermeidung operationsspezifischer Komplikationen ist eine detaillierte Qualitätskontrolle der durchgeführten Eingriffe erforderlich. Besonderes Augenmerk wird dabei auf die spezifischen Komplikationen durch Verletzungen des Nervus laryngeus recurrens (sogenannte Rekurrensparesen) mit resultierender Heiserkeit und Verletzung der Nebenschilddrüsen (Hypoparathyreoidismus) mit resultierendem Parathormon- und Kalziummangel gerichtet. Bei Erstoperationen gutartiger Schilddrüsenerkrankungen wird in der Literatur die Häufigkeit für permanente Rekurrensparesen mit 0 bis zu 6,0% und für den permanenten Hypoparathyreoidismus mit 0,2 bis 4,0% angegeben.
In einer retrospektiven Analyse von 2.737 Schilddrüsenoperationen zwischen 1985 und 2000 konnten wir in unserem Patientenkollektiv inklusive Rezidivoperationen und Karzinomen eine vergleichsweise niedrige Komplikationsrate erzielen:
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Komplikation |
gutartige Struma |
Karzinom |
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Nachblutung |
1,6% |
1% |
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Wundinfektion |
0,8% |
1,4% |
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permanente Hypokalzämie |
0,9% |
1,6% |
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permanente Rekurrensparese |
0,3% |
1,6% |
Bei keiner der Operationen musste eine Bluttransfusion erfolgen. Dies führen wir vorwiegend auf die im vorherigen Abschnitt beschriebenen Standards in der Operationstechnik zurück. Außerdem legen wir viel Wert auf eine kosmetisch ansprechende kleine Narbe.
Die Prognose der vor allem weitaus häufigsten sogenannten differenzierten Schilddrüsenkarzinome ist in der Regel gut. In einer retrospektiven Analyse wurde der längerfristige Verlauf mit Überlebenswahrscheinlichkeiten bei 186 Patienten in unserem Zentrum untersucht. Die Fünfjahres-Überlebensrate im untersuchten Patientenkollektiv liegt bei knapp 90%. Da die Frage nach der Notwendigkeit und dem Ausmaß einer Lymphadenektomie in der Literatur kontrovers diskutiert wird, wurde zusätzlich die prognostische Relevanz verschiedener Operationsverfahren analysiert. Im Vergleich der Patientengruppen ohne Lymphadenektomie, mit zentraler oder zusätzlicher lateraler Lymphknotendissektion besteht kein signifikanter Unterschied in der Überlebenswahrscheinlichkeit.
Neben Unterschieden in der operativen Therapie wird die Überlebenswahrscheinlichkeit aber vor allem durch bereits vorgegebene Variablen beeinflusst. In einer Mehrfachvarianzanalyse konnten hierbei das Vorliegen von Fernmetastasen, aber auch das Alter der Patienten als hochsignifikante Risikofaktoren ermittelt werden. Die Nachsorge der differenzierten Karzinome beinhaltet neben Anamnese und klinischer Untersuchung die Sonographie des Halses, Bestimmung der Tumormarker, Röntgen-Thorax und den 131-J-Scan (Radiojodtest). Dieser erfolgt initial 3-4 Monate nach Radiojodtherapie.
Beim sogenannten medullären Karzinom müssen durch Genanalysen die hereditäre (vererbbare) Form und die multiple endokrine Neoplasie Typ II ausgeschlossen werden. Kommt es im Verlauf zu einem Anstieg des Tumormarkers Calcitonin im Blut, ist eine weitere Abklärung durch Technetium 99m-MIBI-Szintigraphie oder Computertomographie möglich.

