Minimal-invasive Chirurgie
Leberzysten
Leberzysten werden prinzipiell in zwei Gruppen eingeteilt. Es gibt parasitär bedingte und nichtparasitär bedingte Zysten. Parasitäre Zysten entstehen durch eine Echinokokkeninfektion (Hundebandwurm oder Fuchsbandwurm). Nicht parasitäre Zysten können kongenital (angeboren), traumatisch oder neoplastisch bedingt sein. Darüber hinaus werden solitäre, multipel und diffus multipel vorkommende Leberzysten (polyzystische Lebererkrankung). Bei der polyzystischen Lebererkrankung sind häufig auch die Nieren vom Zystenbefall betroffen. Solitäre nichtparasitäre Leberzysten kommen selten vor. Ihre Inzidenz liegt zwischen 0,1% und 4,7%.
Die Mehrzahl der solitären Leberzysten werden zufällig im Rahmen einer aus anderen Gründen durchgeführten Ultraschall- oder Computertomographischenntersuchung (CT) festgestellt. Die meisten Patienten haben keine zystenbedingten Beschwerden. In diesen Fällen ist auch keine Behandlung notwendig. Mit zunehmender Zystengröße können jedoch Beschwerden auftreten. Oberbauchschmerzen können durch Kompression benachbarter Organe auftreten. Akute starke abdominelle Beschwerden treten auf, wenn es zur Ruptur oder Einblutung der Zyste kommt. Eine Zysteninfektion führt zusätzlich zu Fieber. Selten treten Gewichtsverlust, Übelkeit und Erbrechen auf. Große Zysten können eine Kompression des intra- oder extrahepatischen Gallengangsystems verursachen, wodurch eine Gelbsucht (Ikterus) zustandekommen kann.
Diagnostiziert werden die Leberzysten im Ultraschall oder in der Computertomographie. Durch diese Untersuchungen können nichtparasitäre von parasitären Zysten unterschieden werden. Besteht bildmorphologisch der Verdacht auf das Vorliegen einer parasiären Zyste (Verkalkung der Zystenmembran), erfolgt die serologische Echinokokken-Antikörperbestimmung.
Nur symptomatische oder komplizierte Leberzysten (Einblutung, Infektion, Ruptur, Verdrängung bzw. Kompression des Gallengangsystems oder anderer Organe) stellen eine Indikation zur Therapie dar. Das einfachste Verfahren stellt die CT-gestützte Aspiration des Zysteninhalts, ggf. mit anschließender Verödung der Zyste mit Ethoxysklerol oder Alkohol dar. Nachteil dieses Verfahrens ist die sehr hohe Rezidivrate (bis zu 50%). Wesentlich effektiver ist die operative Zystenentdachung. 1991 wurde diese Operation erstmalig minimal-invasiv (laparoskopisch) durchgeführt. Bei diesem Eingriff wird nach Absaugen der Zystenflüssigkeit das Dach der Zyste über drei kleine Zugänge (Nabel und Mittel/Oberbauch) komplett entfernt. Die verbleibende Höhle wird dann mit dem körpereigenem großen Netz (Omentum majus) ausgefüllt. Das Omentum majus wird dabei an den Zystenrand genäht. Hierdurch wird verhindert, daß sich eine neue Zyste bildet. Im Vergleich zum interventionellen Eingriff (Punktions- bzw. Verödungsverfahren) ergibt sich bei der minimal invasive Operation der Zystenentdachung eine wesentlich geringere Rezidivrate (etwa 11%). An unserer Klinik wird die minimal-invasive Operation seit 1990 routinemäßig durchgeführt.

Abbildung_1: Große solitäre Zyste im rechten Leberlappen.

Abbildung_2: Intraoperativer Befund der Leberzyste. Laparoskopische Sicht.

Abbildung_3: Reseziertes Zystendach.

Abbildung_4: Zustand nach Zystendachresektion und Einfügen einer "Netzplombe".

