Chirurgie der Bauchspeicheldrüse
Operationstechnik
Pankreaskopfresektion nach Kausch-Whipple:
Bei der klassischen Operation nach Kausch-Whipple wird der Pankreaskopf,
das Duodenum, der distale Gallengang inklusive der Gallenblase sowie ein Drittel
des Magens entfernt. Die Rekonstruktion des Gallenganges erfolgt über eine
sog. Hepatikojejunostomie (Verbindung der Leber mit dem Dünndarm), das
Restpankreas wird über eine Pankreatikojejunostomie (Verbindung der Bauchspeicheldrüse
mit dem Dünndarm), der Magen über eine Gastrojejunostomie (Verbindung
des Magens mit dem Dünndarm) rekonstruiert.
Diese Operation wird bei Tumorerkrankungen des Pankreaskopfes sowie bei der chronischen Pankreatitis angewendet.
Pyloruserhaltende Pankreaskopfresektion:
Erstmals wurde 1942 durch den englischen Chirurgen Kenneth Watson eine pyloruserhaltende
Pankreaskopfresektion (PPPD) durchgeführt. Der Unterschied zur klassischen
Pankreaskopfresektion nach Kausch-Whipple besteht darin, daß auf die
teilweise Entfernung des Magens verzichtet werden kann. Der Vorteil liegt hierbei im Erhalt der physiologischen Magenentleerung
durch den Erhalt der Magenpförtnerfunktion. Dieses Verfahren hat sich in
den letzten Jahren als gleichwertiges Resektionsverfahren neben der klassischen
Kausch-Whipple-Operation etabliert.
Die pyloruserhaltende Pankreaskopfresektion wird bei Tumorerkrankungen des Bauchspeicheldrüsenkopfes sowie bei der chronischen Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung) durchgeführt. Verschiedene Studien konnten zeigen, daß die pyloruserhaltende Pankreaskopfresektion (PPPD) im Sinne der Radikalität eine vergleichbare Mortalität und Morbidität wie die klassische Whipple-Operation hat.

Abbildung_1: Schrittweise Anlage einer Anastomose zwischen Restbauchspeicheldrüse und einer Dünndarmschlinge. Der Bauchspeicheldrüsengang ist durch eine Drainage geschient.
Duodenumerhaltende Pankreaskopfresektion:
Bei der duodenumerhaltenden Pankreaskopfresektion wird der Kopf der Bauchspeicheldrüse
unter Erhalt des Zwölffinderdarms (Duodenum) entfernt. Diese Operation
wird nur im Rahmen der Behandlung der chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung
durchgeführt. Durch den Verzicht auf die Entfernung des Duodenums kann
von der Neuanlage einer Verbindung der Bauchspeicheldrüse mit dem Dünndarm
abgesehen werden.
Diese Operation wird nicht bei Tumorerkrankungen des Pankreaskopfes durchgeführt.
Bauchspeicheldrüsenschwanzresektion /
Totale Entfernung der Bauchspeicheldrüse
Bei Tumorerkrankungen der Bauchspeicheldrüse, welche im Bereich des Bauchspeicheldrüsenkörpers bzw. Bauchspeicheldrüsenschwanzes lokalisiert sind, kann eine Bauchspeicheldrüsenschwanzresektion (sog. Pankreaslinksresektion) angezeigt sein.
Bei der Pankreaslinksresektion wird der Pankreasschwanz mit den peripankreatischen
Lymphknoten und der Milz entfernt. Je nach Ausmaß des Tumors und den daraus
resultierenden Resektionsgrenzen muß die Resektion bis an den Pankreaskopf
heran ausgeweitet, d.h. eine sog. subtotale, linksseitige Pankreatektomie
durchgeführt werden. Der Pankreasstumpf wird in der Regel mit einer Pankreatikojejunostomie
(Verbindung des Bauchspeicheldrüsenrestes mit einer Dünndarmschlinge)
versorgt.
Unter Umständen kann eine solche Tumorlokalisation die totale Entfernung
der Bauchspeicheldrüse nötig machen (totale Pankreatektomie).
Zystojejunostomie:
Kommt es im Rahmen einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung zur Ausbildung von Zysten (sog. Pankreaspseudozyste), kann eine Drainage dieser Pseudozyste nötig werden, wenn die Zyste durch ihre Größe andere Organe verdrängt, bzw. die Nahrungspassage behindert. Diese Operation wird als Zystojejunostomie bezeichnet. Dabei wird eine Dünndarmschlinge auf die eröffnete Zystenwand genäht. Nach der Durchführung dieser Operation wird die Zystenflüssigkeit kontinuierlich in den Dünndarm abgeleitet und die Zyste somit deutlich verkleinert.
Abbildung_2: Bauchspeicheldrüsenspeudozyste nach Eröffnung der Bauchhöhle

Biliodigestive Anastomose:
Bei fortgeschrittenen, nicht mehr operablen Tumoren des Pankreaskopfes kann ein sogenannter Verschlußikterus entstehen. Dabei kommt es durch das raumfordernde Wachstum zu einem Verschluß des Hauptgallenganges und zur Ausbildung eines Ikterus (Gelbsucht). Die Operation der Wahl zur Behandlung dieses Verschlußikterus ist die Neuanlage einer Verbindung zwischen dem Hauptgallengang und einer Dünndarmschlinge. Durch diese sog. biliodigestive Anastomose wird der Gallefluß wiederhergestellt, und es kommt zu einer Besserung der Gelbsucht-Symptome.
Gastroenterostomie:
Kommt es in Folge eines fortgeschrittenen Pankreastumors zu einer Enge im Bereich des Magenausganges, kann dies zu einer Behinderung der Nahrungspassage führen. Im Falle dieser sog. Magenausgangsstenose wird mit Hilfe einer Umgehung des Passagehindernissses eine Wiederherstellung der Nahrungspassage hergestellt. Dies wird durch eine Verbindung der Magenhinterwand mit einer Dünndarmschlinge (hintere Gastroenterostomie) bzw. einer Verbindung der Magenvorderwand mit einer Dünndarmschlinge ermöglicht (hintere Gastroenterostomie).

