Dünndarm- und
Multiviszeraltransplantation
Aktueller Stand
Tacrolimus (Prograf®) etablierte sich als vorherrschendes Basisimmunsuppressivum für die DTx und ermöglichte die Entwicklung der DTx zu einer kausalen ursächlichen Therapie des KDS bei intestinalem Versagen bzw. Dünndarmversagen. Überwiegend wurde eine auf Tacrolimus basierende Kombinationsimmunsuppression mit Steroiden und Azathioprin, später Mycophenolat Mofetil (Cell-Cept®) durchgeführt. Der Einsatz der monoklonalen Interleukin-2 Rezeptorantikörper (Daclizumab (Zenapax®) bzw. Basiliximab (Simulect®)) ab 1998 führte zu einer weiteren Verbesserung der Überlebensraten auf ca. 70 - 80% nach einem Jahr in Zentren mit einem Transplantationsaufkommen von mehr als zehn DTx. Sowohl in unserer eigenen als auch in der Erfahrung anderer Zentren bewährte sich zudem Sirolimus (Rapamune®) in der primären und auch späteren Kombinationstherapie mit Tacrolimus. Die vom Internationalen Dünndarmtransplantations-Register (Intestine Transplant Registry) veröffentlichten Daten lassen zudem ein verbessertes Organ- und Patientenüberleben unter Anwendung von Antikörpern erwarten, die die Anzahl der Abwehrzellen vermindern (Antithymozytenglobulin (Thymoglobulin®) und Alemtuzumab (Campath®)). Die akute, nicht immunsuppressiv beherrschbare Transplantatabstoßung stellt jedoch weiterhin den bedeutendsten Risikofaktor für den Transplantatverlust dar. Wie von unserer Arbeitsgruppe kürzlich gezeigt, stellt der Antikörper Infliximab (Remicade®) für diese Patienten eine neuartige Therapieoption dar und könnte helfen die Rate an nicht beherrschbaren Abstoßungen zu vermindern.
Unter dem Eindruck der beschriebenen Daten wurde ab 2000 das Dünndarm- und Multiviszeraltransplantationsprogramm der Charité, Campus Virchow-Klinikum, Berlin, aufgebaut. Bisher wurden 32 DTx (18) und MVTx (14) durchgeführt. Die aktuellen 1-Jahres-Überlebensraten betragen 88%, die 5-Jahres-Überlebensraten 75%.

